Dreharbeiten auf engstem Raum

Nachdem ich das Video meiner Telefonzellenlesung gestern schon online gestellt habe, folgt jetzt der Bericht über die Dreharbeiten. 

Die Idee mit der Telefonzelle hatte ich schon seit längerem. Aber aus sicherlich allerseits bekannten Gründen, sind diese kleinen Häuschen rar gesät. 

Besonders bei mir zuhause in Bochum. Da konnte ich in näherer Umgebung keine Telefonzelle auftreiben. Die, die mal zwei Straßen weiter stand, wurde schon vor ein paar Jahren abgebaut.

Aber hier in Erlangen wimmelt es nur so von Telefonzellen. Ich wäre vor Freude beinahe in die luft gesprungen, als ich am Samstag eine gelbe Zelle nicht weit von meinem Wohnheim fand. Und noch viel näher dran sind mindestens drei grau-rosa Telefonzellen. Ich hatte also genug Spielraum, um mir die schönsten auszusuchen.  

 

Wie schon bei meinem ersten Videoblog hat sich meine Mitbewohnerin Marie freundlicherweise bereiterklärt, das Kamerakind zu spielen. Am Sonntagnachmittag zogen wir los und statteten erst einmal der gelben Telefonzelle einen Besuch ab. Da haben wir zu zweit, inklusive zweier Rucksäcke auch ganz gut reingepasst. Es war zwar schon ein bisschen kuschelig, aber ansonsten ging es echt. 

Während ich anfing, meine ausgewählte Stelle vorzulesen, fuhren draußen ständig Krankenwagen und Autos vorbei.... Das hat man davon, wenn man vor einem Krankenhaus dreht! Ein paar Menschen schauten zwischendurch auch mal etwas seltsam, wenn sie Marie und mich in der Telefonbox sahen. Sieht man ja auch tatsächlich nicht so oft, dass diese Teile noch benutzt werden. Wenn dann auch noch jemand darin steht und ein Buch liest und eine andere dabei filmt, ist das merkwürdig, das gebe ich zu. Außerdem ist Gucken in diesem Fall ja auch ausdrücklich erwünscht. 

Blöd waren nur ein paar Hunde, die irgendwann ein Bell-Konzert anstimmten. Da wollte ich nicht gegen anbrüllen. Also haben wir den Dreh kurz unterbrochen, bis sich die Hunde wieder eingekriegt hatten. Dafür fuhr kurz darauf ein Motorrad nach dem nächsten an der Zelle vorbei. - Also wieder eine Pause. Aber schließlich hatten wir es geschafft.

Ich hatte noch die verrückte Idee, eine Weihnachtsstelle aus dem Buch vorzulesen. Dafür hatte ich extra eine Kerze im Glas mitgenommen, die ich auf dem Fernsprecher installierte. Und ich hab mir (auch in der Telefonzelle) noch eine andere Jacke ausgezogen: alles für die Gemütlichkeit und Weihnachtsstimmung. Als ich soweit installiert war, schaltete sich die automatische Deckenbeleuchtung ein. 

Vom Kerzenschein sah man so ungefähr nichts mehr und Marie meinte auch nur: "Also, Gemütlichkeit geht echt anders!"

Also haben wir diesen Fake-Weihnachtsdreh abgebrochen. - Es gibt ja auch echt gemütlichere Orte, als Telefonzellen. Aber es war einen Versuch wert!

Dann machten wir uns auf zur zweiten Telefonzelle. Diesmal eine von den "neueren." 

Diese grau-rosa Boxen sind tatsächlich kleiner als die alten gelben. Für Marie und mich wurde es also schon ein wenig enger. Die "neuen" Telefonzellen gehen also auf jeden Fall schon in Richtung Handyformat...

Obendrein war die Bodenplatte nicht richtig fest oder hat irgendwann mal Falten geworfen - auf jeden Fall hat sie gewackelt! 

Das Lesen hat bei diesem zweiten Mal gut geklappt. Es gab keine Unterbrechung durch Motorräder oder Hunde noch durch sonst irgendwas oder irgendwen.

Dafür hatte ich nicht bedacht, dass Videos so viel Speicherplatz auf der Karte brauchten. Ich konnte also nur eineinhalb Durchgänge machen, bevor die Karte voll war. 

Natürlich hatte ich keine zweite Karte mitgenommen. Aber Marie und ich waren uns einig, dass wir (natürlich auch gezwungenermaßen) gutes Material im Kasten hatten.

Und dann hab ich mich abends hingesetzt und angefangen die Lesung zusammenzuschneiden. Ich hab mir jede Aufnahme bestimmt 10 Mal angehört. Ich glaub, diese Stelle im Buch werde ich noch lange auswendig können...

Eigentlich hatte ich Marie versprochen, um das Video einen blauen Rahmen zu machen (so wie bei 1,2 oder 3), aber das ließ mein Programm leider nicht zu :(

So arbeitsaufwändig das Ganze auch war, Spaß gemacht hat es auf jeden Fall.

Und ich arbeite auch schon an einem neuen Video. Das wird allerdings ohne Telefonzellen auskommen (müssen.)

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