Entschuldigung, wo geht's hier nach Hollywood?

Manchmal fühlt man sich wie im Film. Kennt ihr das? 

Da verlässt man das Haus, um zur Uni oder einkaufen zu gehen und eigentlich ist alles ganz normal, aber irgendwie ist man ganz besonderer Stimmung.

Die Welt scheint auf sonderbare Weise anders zu sein - nicht unbedingt besser und unbeschwerter, aber irgendwie besonders. Die Bauarbeiter vor der Haustür haben ein Radio aufgestellt und vom Baugerüst klingt folglich die Stimme eines Popsängers, der zu dramatischen Gitarren- und Pseudostreicherklängen den Weltschmerz besiegt. - Ein perfektes Intro für den Tag also. Wie der Auftakt zum Hollywood-Film. 

 

Beschwingt macht man sich auf den Weg zu seinem Tagwerk und rechnet eigentlich jeden Moment damit, dass Hugh Grant einen anrempelt und versehentlich den Orangensaft über das T-Shirt kippt.

Tja... und spätestens an dieser Stelle endet dann der Hollywood-Tag, selbst wenn es noch früh am Morgen ist.

Hugh Grant (oder eben jeder andere Hollywood-Prinz) treibt sich nun mal nicht in irgendeiner Studentenstadt herum. Es rempelt einen auch niemand an. Manchmal hat man das Gefühl, als würde man gänzlich ungesehen durch die Straßen wandeln. Der gutaussehende Mitarbeiter in der Bibliothek lächelt einem nicht verschmitzt über das Bücherregal hinweg an und flüstert einem, während er das entliehene Buch über den Tresen schiebt leise zu: "Heute abend um 7?", sondern der 0815-Mitarbeiter nimmt wortlos und mit starrem Blick auf den Computer den Benutzerausweis entgegen und überreicht einem ebenso wortlos und mit grimmigem Blick die Bücher und gibt den Ausweis zurück.

Wenn man nach Hause kommt, haben die Bauarbeiter das Radio wieder ausgestellt. Damit ist sogar der kitschige Soundtrack Geschichte.

Hollywood adé!

 

Aber mal ehrlich: selbst wenn wir alle heimlich nach diesem verflixten Wegweiser suchen, der anzeigt, wo es nach Hollywood oder zum Happy-End geht, müssen wir doch zugeben, dass das zwar für 90 Minuten ganz schön ist (und der leicht ungeschickte Junggeselle sieht ja auch soooo gut aus), aber für das echte Leben ist das doch nix!

Die meisten Hollywood-Filme sind letztendlich eben doch sehr absehbar. Oder war irgendjemandem nicht klar, dass Will Thacker Anna Scott am Ende doch noch gewinnt? 

Sicherlich ist es auch keine gute Idee, sich als Prostituierte auf die Straße zu stellen, in der Hoffnung, dass Richard Gere früher oder später vorbeikommt und sich in das gefallene Mädchen verliebt. Die Orangensaft-Nummer ist da vielleicht doch die sichere Variante - und nebenbei könnte man noch Geld verdienen, in dem man Werbung für die Firma macht, die die Fleckenteufel zu beseitigen verspricht...

Dann doch lieber "real life" und abwarten... Das verspricht ein wenig mehr Abenteuer! 

 

Und trotzdem macht es Spaß, sich solche Geschichten auszudenken. Ich bastle gerade ein zwei verschiedenen Varianten... Denn ab und an, braucht der Mensch halt leichte Unterhaltung, in der zwar alles irgendwie absehbar ist, aber man dennoch gespannt mitfiebert. Wer kann schon wissen, ob dies nicht die erste Geschichte wäre, die dem Hollywood-Muster widerspricht?

Aber spätestens, wenn die Bauarbeiter wieder Pop-Schnulzen hören und auf dem Weg zum Supermarkt die Vögel singen und ein lauer Sommerwind weht, dann sind wir uns sicher, dass bald jemand sagen wird:

"I live just over the street. That's my house there, with the blue frontdoor!"

Und es wird wunderschön: "Surreal but nice!"

Kommentar schreiben

Kommentare: 0