Verrückte Welt

Neulich mal wieder... :)

Ich war einmal mehr darüber überrascht, welche seltsamen Dinge es doch gibt und wie selbst-verständlich die Menschheit damit umgehen kann. 

Von meinen Kollegen bekam ich zum Geburtstag eine Topfblume geschenkt, genauer gesagt eine Yucca-Palme. Da diese natürlich nicht für alle Ewigkeit auf meinem Schreibtisch im Büro stehen bleiben sollte, musste ich sie nach Hause transportieren - und das, auf Grund der Größe, nicht in irgendeiner Tasche, sondern ganz bequem unterm Arm.

Offenbar sah ich damit unheimlich kompetent aus. Jedenfalls sprachen mich unterwegs zwei Leute an, um nach dem Weg nach irgendwohin zu fragen.

Helfen konnte ich denen leider nicht. Ich sah halt nur kompetent aus, war es aber, zumindest hinsichtlich Ortskenntnissen nicht.

Meine Yucca-Palme und ich hatten eine nette gemeinsame Zugfahrt.

Nicht, dass ihr denkt, wir hätten uns miteinander unterhalten, aber ich musste ob der Gesellschaft einer Palme vor mich hin schmunzeln, und hatte dabei das Gefühl, als könnte mir so eine außergewöhnliche Begleitung die eine oder andere Tür zu fremden Menschen öffnen. Zu zweit ist so etwas halt doch immer einfacher.

 

Als meine Yucca-Palme und ich den Zug verließen, sahen wir..., pardon, sah ich etwas, das noch viel verrückter war, als meine Yucca-Palmen-Begleitung. 

Eine Frau ungefähr Ende 50, die mit Freundinnen unterwegs war, trug einen Hut. 

Aber was für einen!!! So etwas habe ich noch nie gesehen!

Der Form nach hatte er Ähnlichkeit mit einem Hexenhut. Runde Krempe und nach oben hin spitz zulaufend. Er war aber nicht schwarz, dunkelblau oder gar lila und hatte auch keine Sterne.

Er war grell grün und sah aus, wie aus einem Stück Kunstrasen gefertigt. Aber da nur grüner Kunstrasen auf dem Kopf nicht verrückt genug ist, war dieser Hut noch mit Lametta und Kugeln geschmückt. 

Diese Frau trug tatsächlich einen Plastik-Tannenbaum auf dem Kopf. - Und sie schaute dabei völlig unbeeindruckt drein. 

Entweder sie wusste nichts von ihrem Kopfschmuck oder sie war extremst selbstbewusst, was wiederum Bewunderung fordert.

Dieser Hut hat mich so fasziniert, dass mir die nächste Verrücktheit erst einige Sekunden später auffiel.

Mit mir verließ eine jugne Frau den Zug, die den RE als Transportmittel für ihren ECHTEN Tannenbaum benutzt hatte. 

Zusammengebunden im Nylon-Netz zog diese Dame den Baum hinter sich her, die Treppenstufen hinunter in die Bahnhofshalle und verschwand im Getümmel. 

 

Da kam mir meine Yucca-Palme unterm Arm schon wieder verhältnismäßig normal und langweilig vor. 

Aber was ist schon normal? 

 

Habe ich euch von dem Menschen erzählt, der auf der Zugfahrt nach Schweden neben mir saß?

Der erzählte seinem Kumpel, der mit ihm unterwegs war, dass er auf irgendeiner Tour jemandem eine Schaufensterpuppe abgekauft hätte.

Mit dieser würde er auch ab und an auf Partys gehen, wenn er dort niemanden kennen würde. 

 

Ich habe bei dieser Erzählung genauso geguckt wie der Kumpel und so, wie ihr jetzt wahrscheinlich gerade guckt.

 

Ihr Lieben, ich denke, es ist an der Zeit unsere Vorstellung von Normalität und Verrücktheit zu überarbeiten und einzusehen, dass jegliche Definition ohnehin jederzeit ad absurdum geführt werden kann. 

Wie wusste schon Erasmus von Rotterdam:

 

"Die höchste Form des Glücks ist ein Leben

mit einem gewissen Grad an Verrücktheit."

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