Statt "Aufreger der Woche"

Heutzutage ist es ja üblich, sich über verschiedene Dinge in den unterschiedlichen Medien dieser Welt auszulassen. 

Ob es um Stars oder solche, die es werden wollen geht, über den bescheuerten Chef bei Facebook abgelästert oder während der Sendung das Handeln der Moderatoren voyeristisch bei Facebook kommentiert wird - es scheint, als gäbe es für jeden nicht nur einen Aufreger der Woche, sondern jeden Tag mindestens zwei Dinge, die total zum Abgewöhnen sind.

Und genau darüber werde ich heute NICHT schreiben.

 

Vielleicht bin ich in dieser Woche vom Schicksal einfach verschont geblieben. Weder heute, noch in den letzten Tagen gab es für mich nichts, über das es sich gelohnt hätte, sich ernsthaft aufzuregen. 

Selbst als ich heute am Bahnhof länger auf die Bahn warten musste, konnte ich mich darüber nicht aufregen. Schließlich ist eine fünfminütige Verspätung keine große Überraschung... Und vom Aufregen, kommt die Bahn auch nicht schneller.

Statt sich aufzuregen und eigene Kolumnen über die Schlechtigkeit der Welt zu verfassen, ist es dringend an der Zeit, auch den schönen Dingen einmal Aufmerksamkeit zu widmen. 

Die Welt ist voll davon - wir müssen nur hinsehen!

Während der letzten Tage hatten wir lieben Besuch aus Finnland. Zusammen haben wir mit unserer Gastschwester sehr viel Spaß gehabt, Verrücktheiten angestellt und uns einfach mal wieder nach langer Zeit in den Arm genommen. 

Klingt banal - ist aber total schön! 

Es ist dabei völlig egal, ob man sich täglich sieht und dauernd in den Arm nehmen kann, oder ob man sich monatelang darauf freut, jemanden endlich wiederzusehen. 

Eine Umarmung ist eines der wunderschönen Dinge, die vielleicht nur ganz kurz sind, die aber viel bedeuten und ganz viel hinterlassen, was einem in dem Moment nicht immer unbedingt direkt klar sein muss. 

Auch gemeinsame Mahlzeiten mit Familie oder Freunden sind etwas wunderschönes - und in einer stressigen Zeit leider auch nicht mehr banal, sondern oft schon etwas, was man sich rot im Kalender anstreichen sollte.

Familie überhaupt ist eine tolle Erfindung. Gestern, so stand es in der Zeitung, war Welt-Geschwister-Tag. So nervig und anstrengend große und / oder kleine Geschwister ein leben lang sind: eintauschen will sie doch keiner!

Wenn man dann noch das Glück hat, eine schöne Kindheit gehabt zu haben, oder noch immer hat, gibt es nur wenig Grund zu klagen.

Von Jean Paul stammt das wundervolle Zitat:

Mit einer Kindheit voll Liebe

kann man es ein Leben lang aushalten!

Wie Recht er hat. Daran könnten wir ruhig öfter denken. 

 

Und überdies ist es Frühling. Ja, natürlich ist auch April und manchmal wieder kalt und regnerisch, aber die Natur erwacht wieder zu neuem Leben!

Ist es nicht schön, wenn kleine Knospen an den Bäumen aufspringen und grüne Blätter sich langsam ins Freie schälen?

Können wir nicht dankbar sein, so etwas erleben zu dürfen? 

Das können wir aber nur, wenn wir uns Zeit dafür nehmen und ein Auge darauf haben. 

Aber was spricht dagegen? Wenn wir sonst immer einen Blick dafür haben, was alles scheiße ist, könnten wir ruhig auch an das Gute und Schöne denken.

Das heißt nicht, dass man alles schlucken muss, was in der Welt passiert. Aber vielleicht sehen wir Dinge ganz anders, wenn wir uns Zeit dafür nehmen, dankbar und glücklich zu sein. Manche Dinge, über die wir uns sonst in den Social Media aufregen, erscheinen uns dann womöglich gar nicht mehr so aufregend.

 

Ich bin daher stark dafür, nicht nur Rubriken für den Aufreger der Woche zu reservieren, sondern auch Platz zu lassen für die "Dank-Bar!"

 

Ein abschließendes Zitat zum Wochenende:

Schau doch einfach einmal 

zwei Minuten auf eine Blume,

um ruhig zu werden.

(Brennan Menning)

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