What you see is what you get?

Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen - man weiß nie, was man bekommt.

Ich habe diesen Satz aus Forrest Gump schon immer geliebt, aber gestern und heute ist mir einmal mehr bewusst geworden, wie wahr er doch ist. 

Das Leben ist bestimmt von Begegnungen. Menschen, mit denen wir uns austauschen, die uns für eine kürzere oder längere Zeit begleiten, die uns ihre Sicht der Welt und der Dinge zeigen, und uns dadurch neue Horizonte eröffnen. 

Die letzten zwei Tagen waren für meine Familie und mich von einer solch kürzeren, aber überaus intensiven Begegnung geprägt. 


Spontan haben wir uns neulich entschlossen, einer jungen Familie für eine Nacht unser Wohnzimmer als Quartier zu bieten. Das Pärchen aus Australien ist mit seinen 3 Jungs auf Weltreise und dabei sehr daran interessiert, in den verschiedenen Ländern in Kontakt mit den Einheimischen zu kommen.

Es war aufregend, als wir die 5 gestern vom Bahnhof abholten.

Menschen, die wir noch nie zuvor gesehen haben, von denen wir gerade einmal die Namen wissen, werden wir für eine Nacht bei uns willkommen heißen.

In gewisser Weise ist das verrückt. Ja. Man weiß ja nie, was einen da so erwartet.... 

In diesem Fall erwarteten uns zwei gutgelaunte Eltern und drei unheimlich liebe, süße, muntere Jungs. Das Kennenlernen lief auf dem Weg zu uns nach Hause. 

Die Jungs spielten auf dem Wohnzimmerboden, die Eltern erzählten uns von ihren bisherigen Erfahrungen auf der Reise. 

Und nachdem wir lernten, dass der Disney-Channel auch in Fremdsprachen geschaut werden kann und es nicht unmöglich ist, im strömenden Regen zu grillen, es aber wohl möglich ist, mit 9 Leuten an einem Tisch zu sitzen, saßen wir Erwachsenen noch viele Stunden bei einem Gläschen Wein zusammen und redeten, als ob wir uns schon immer gekannt hätten. 

Sprachen über Politik, über Europa, über die Welt, über Mentalitäten. 

Fragten, ob es schwierig sei, mit 3 kleinen Jungs um die Welt zu reisen, ob in Deutschland die Alten isoliert leben würden, wie wir uns unser Leben vorstellen, und ob es nicht schwer zu finanzieren sei, ein Jahr lang zu reisen.

Eine der wichtigsten Antworten des Abends: Es geht nicht um Geld, sondern um Entscheidungen.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Abends: Es spielt keine Rolle, wo man auf der Welt ist und mit Menschen redet. Unabhängig von Mentalität, Religion und Kultur möchte jeder Mensch träumen und seine Kinder glücklich sehen. 

Wir waren an diesem Abend alle sehr glücklich. Heute Morgen ging es glücklich weiter mit gemeinsamem Frühstück, Spielerunde und regem Austausch. 

Fast war es seltsam, die Familie, die uns vor weniger als 24 Stunden noch völlig fremd war, wieder zum Bahnhof zu bringen, von wo aus sie in die nächste Stadt fahren. Es war eine schöne Erfahrung - und falls wir mal nach Australien reisen, wissen wir, bei wem wir vorbeischauen dürfen ;)

Ist es nicht verrückt, irgendwelche Fremden aufzunehmen, ohne zu wissen, was oder wer da auf einen zukommt?

Vielleicht ist es verrückt. Man kann nie wissen, was einen erwartet und vielleicht sagt man hinterher: "Nie wieder!" - aber man wird niemals wissen, was man verpasst, wenn man es nicht einfach ausprobiert.

 

So thank you so much family R. for staying with us, sharing thoughts, dreams and joy and the confidence to try out things. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Angelika (Dienstag, 27 Mai 2014 19:11)

    Schön geschrieben und auf den Punkt genau getroffen!
    Liebe Grüße