Ich wusste sofort, dass ich Bücher schreiben wollte!

Emma Andersson fasste schon als Kind den Entschluss Autorin zu werden. Mit 20 veröffentlichte die Schwedin ihren Debütroman "Där drömmar blir till" (Wo Träume Wirklichkeit werden, Anm.) Drei Jahre später erschien die Fortsetzung der Geschichte um ein Mädchen, das in ein geheimnisvolles Traumland reist, unter dem Titel "Mardrömmar" (Albträume.)

Über ihre Arbeit als Jungautorin und ihre eigenen Träume verrät sie hier mehr.  

Emma, auf deinem Blog verrätst du, dass du schon als 8-Jährige beschlossen hast Autorin zu werden. Wie kam es dazu? Waren typische Mädchenträume (z.B. Prinzessin zu werden) jemals eine Alternative?

 

Mit 5 wollte ich wirklich Prinzessin werden! Aber dann erzählte meine Oma mir, dass es keine Prinzen in meinem Alter gäbe, und da habe ich den Traum aufgegeben.

Ich fing dann an Prinzessinnen-Geschichten zu lesen und auch selbst welche zu schreiben. Als ich ungefähr 8 war, ging mir auf, dass es tatsächlich Menschen gibt, deren Arbeit es ist, Geschichten zu schreiben und sich neue Welten auszudenken, in denen so ziemlich alles möglich ist. Und da wusste ich sofort, dass ich das auch tun wollte. 

 

Jetzt studierst du Religionswissenschaft. Ein Fach, das auf den ersten Blick nicht besonders viel mit Bücherschreiben zu tun hat. Warum hast du dir dieses Fach ausgesucht?

 

Ich wollte immer zur Uni, wusste aber nie so richtig, was ich studieren oder überhaupt werden wollte. Also habe ich erst einmal mit Literaturwissenschaft angefangen, weil ich Bücher und lesen liebte. Nach einem Jahr wusste ich aber immer noch nicht, was ich werden wollte, und hab mich daher entschieden, Religionswissenschaft zu studieren, weil das mein Lieblingsfach in der Schule war. Und dabei ist es dann geblieben. Es ist ein so wahnsinnig faszinierendes Fach. Ich habe vor allem Module in Ethik belegt, worin ich auch meine Bachelor-Arbeit geschrieben habe, und Judaistik. Aber auch Religionsgeschichte, Philosophie und Theologie.

Und natürlich hat das alles total viel mit dem Bücherschreiben zu tun! Ich habe Mythen, Erzählungen gelesen. Gedanken über den Glauben, Gut und Böse, richtig und falsch, Götter und Menschen, Helden und Schurken, Lebensentscheidungen, Liebe und Hass. Und das ist es ja, woraus Geschichten gemacht sind. Ich diskutiere das jeden Tag in meinen Seminaren. Eine bessere Quelle für Inspiration gibt es nicht.

 

Dein Debütroman erschien 2010. Wie lange hast du nach einem Verlag gesucht? Wer hat dir dabei geholfen?

 

In der zwölften Klasse schrieb ich einen ersten Entwurf von dem, was später ”Där drömmar blir till” wurde. Ich habe an meine Geschichte geglaubt und wollte sie wirklich so perfekt wie möglich machen. Also habe ich in meinem letzten Schuljahr mein Buch als Thema meiner Projektarbeit gewählt. (Anm.: Alle schwedischen Schuler schreiben in ihrem letzten Schuljahr eine sogenannte Projektarbeit über ein Thema, worin sie richtig gut sind.) Mit Hilfe eines Betreuers, meinem Philosophielehrer, habe ich mich durch das Manuskript gearbeitet und dabei das meiste von dem gelernt, was ich über das Schreiben weiß. Am Ende des Schuljahres fand mein Betreuer, dass das Buch gut genug war, um es einem Verlag anzubieten. Also habe ich beschlossen, mein Glück zu versuchen, und mein Buch an ein paar Verlage geschickt. Drei Wochen später riefen die Mitarbeiter von Opal mich an und sagten, dass sie das Buch herausgeben wollten!

 

Was war es für ein Gefühl, das eigene Buch in Händen zu halten? Die Zeit zwischen dem Entschluss Autorin zu werden und dem Tag, da du es tatsächlich wurdest, war ja schon relativ lang.

 

Das war total unwirklich! Ich konnte es kaum glauben, dass es wahr ist. Dieser ganze Prozess mit dem ersten Buch war ziemlich merkwürdig, weil es sich die ganze Zeit so seltsam anfühlte, dass das, wovon ich so lange geträumt hatte, tatsächlich Wirklichkeit werden würde. Ich konnte kaum den Blick von dem Buch lassen, und habe die ganze Nacht dagesessen und darin geblättert. Das war großartig.

 

„Där drömmar blir till“ und „Mardrömmar“ sind recht komplexe Geschichten. Woher kam die Idee vom Land der Träume?

 

Vermutlich kommt die Komplexität dadurch zustande, dass ich Ideen von so vielen Stellen hergenommen habe! Als ich mit 14 konfirmiert wurde, bekam ich von meiner Familie beispielsweise ein Goldherz geschenkt, was wohl der Startschuss für meine Idee zu ”Där drömmar blir till” war. Das kleine Herz erinnerte mich auch an eine Geschichte, die ich als geschichtenverrückte 10-Jährige geschrieben hatte – über ein Mädchen, das in mithilfe einer Kette in eine andere Welt reisen konnte. Diese Geschichte hatte wiederum ihren Ursprung in  einer schönen Perlenkette, die meine Urgroßmutter in einer Schublade hatte, und die ich immer umbinden wollte. Meine Uroma und ich standen uns sehr nahe und sie mochte es auch sehr zu schreiben.

Als ich anfing die Geschichte zu schreiben, schob sich noch eine alte Erzählung in meinen Kopf, nämlich eine meiner ersten Geschichten, die ich mit 8 geschrieben hatte, und die von einem Mädchen handelte, das, jedes Mal, wenn es schlief und träumte, in einer anderen Welt landete.

Während ich schrieb, merkte ich außerdem, dass ich eine Liebesgeschichte dabei haben wollte und eine starke Geschwisterbeziehung. Darüber hinaus wollte ich auch das klassische Thema von Gut und Böse behandeln, was mich während des Schreibens an „Mardrömmar“ noch mehr interessierte, da ich genau zu dem Zeitpunkt angefangen hatte, Religionswissenschaft zu studieren, und mich mit solchen Themen an der Uni auseinanderzusetzen.

 

Was bedeuten Träume für dich persönlich? Wovon träumst du?

 

Das kommt drauf an. Wenn ich schlafe, träume ich von allen möglichen komischen Sachen. Heute Nacht war ich zum Beispiel mit Dane DeHaan zusammen (der in The Amazing Spider-Man 2 den Harry Osborn spielt), aber weil ich mit meiner Familie zu IKEA sollte, war ich gezwungen mit ihm Schluss zu machen. Ungefähr so bescheuert sind meine Träume normalerweise.  

Wenn ich wach bin, träume ich von einer Zukunft als Autorin, davon reisen zu können, verliebt zu sein und alle Augenblicke mit Familie und Freunden zu erleben. Träume sind für mich Herausforderungen und auch ein bisschen Zukunftsvisionen. Ich glaube, es war Walt Disney, der sagte ”Wenn du etwas träumen kannst, kannst du es auch tun.” Daran glaube ich. Wenn ich mir etwas vorstellen, wenn ich es träumen kann, dann ist es auch nicht unmöglich. Was meine Träume betrifft, ist es nie eine Frage des „ob“, sondern des „wann.“

 

Gibt es einen Platz, an dem du die beste Inspiration für deine Bücher bekommst? Ein Platz, wo es dir immer gelingt zu schreiben?

 

Im Prinzip kann ich überall schreiben. Aber wenn ich von vielen Geräuschen umgeben bin, gerne auch von meiner Familie, schreibe ich am besten. Meine Familie ist meine erste Inspirationsquelle, und sie unterstützt mich ebi allem, was ich tue. 

 

Gerade überarbeitest du das Manuskript zu deinem dritten Buch „Aphelium.” Kannst du etwas davon erzählen?

 

Tja, zunächst ist es ja noch nicht einmal sicher, ob es überhaupt ein Buch wird, da ich noch keinen Kontakt mit einem Verlag habe, aber das wird noch hoffentlich! Es war bislang ein ziemliches Geheimnis und ich möchte es noch eine Weile so halten, aber normalerweise, wenn Leute danach fragen, sage ich: Es geht um eine Familie, die mitten im Weltuntergang landet.

 

Als Kind hast du einige Jahre in Frankreich gelebt. Woran denkst du, wenn du an Frankreich denkst?

 

An viele Dinge. Meine Eltern wohnen noch dort, also denke ich an sie. Es fühlt sich auch immer ein bisschen so an, als käme ich nach Hause, wenn ich dort bin. Die beste Beschreibung des Gefühls habe ich in einem Zitat von Ernest Hemingway gefunden, das lautet: „Wenn man sich an einem Platz zuhause fühlt, an dem man nicht geboren ist, dann ist es Bestimmung, dass man dort hin sollte. Genau so fühlt es sich an, wenn ich an Frankreich denke, und an Paris.

 

Welche Frage wolltest du in einem Interview immer schon einmal gestellt bekommen? Stell sie dir (und uns) und beantworte sie! J

 

Ich habe mir immer spezifische Fragen zu meinen Büchern gewünscht. Zu den Handlungen und den Charakteren (auch wenn ich weiß, dass das schwer ist ohne zu spoilern), aber jetzt kann ich mich nicht mehr richtig erinnern, welche Fragen ich gerne gehabt hätte.

 

Eine Frage, die mir doch noch einfällt, ist wohl die anspruchsvollste von allen: „Warum hast du diese Bücher geschrieben?”

 

Und meine Antwort darauf ist:

Es gibt tausend Gründe dafür ein Buch zu schreiben. Ich für meinen Teil, schreibe, weil ich es liebe und es eins der schönsten Dinge ist, die ich kenne. Und weil ich tausend und abertausend Welten in meinem Kopf habe, die ich einfach herausschreiben muss, und dich ich teilen möchte.

Das Spannendste mit ”Där drömmar blir till” war, dass es mein erstes Buch war.  Wenn ich eines Tages als ältere und erfahrenere Autorin auf meine Karriere zurückschaue, werde ich ”Där drömmar blir till” hoffentlich nicht als das beste Buch ansehen. Es war der Beginn von etwas Größerem. Es war ein Buch, dass ich schreiben musste, und auf manche Weise sogar gezwungen war zu schreiben. Viele Menschen fragen sich, ob ich und Olivia (meine Protagonistin in ”Där drömmar blir till” und ”Mardrömmar”) ein und diesselbe Perons sind. Aber ein für allemal kann ich das mit einem klaren Nein beantworten. Sie ist nicht ich. Aber ich bin sie, so wie ich auf gewisse Weise sozusagen alle meine Charaktere bin. Ich habe diese Bücher geschrieben, weil das alles ist, was ich in mir getragen habe, und was aus mir raus musste, worüber ich nachdenken musste, was ich herausfinden und erleben musste. Es ist eine Geschichte über ein Mädchen, das versucht herauszufinden, wer sie ist und welche Rolle sie in der Welt spielt. So wie ich es versucht habe, als ich die Bücher geschrieben habe.

Es ist aber auch eine Geschichte über Träumen, die in Erfüllung gehen, und eine Welt, in der Träume leben und Wirklichkeit werden. All das, sowie mein eigenes Dasein wurde komplett auf den Kopf gestellt, als ich Zugang zu einer ganz neuen Welt bekamt, die auch genau jene Welt war, von der ich immer geträumt hatte ein Teil von ihr zu.

 

Daher wird ”Där drömmar blir till” immer etwas ganz besonderes für mich sein. Es hat meine eigenen Träume erfüllt und es ist das Buch, das ich schreiben musste, um die Autorin zu sein, die ich heute bin.

 

Zum Schluss noch ein paar kurze Fragen, die du bitte so spontan wie möglich beantwortest.

                              

       1.       Dieses Buch hätte ich gern geschrieben: ”Die Brüder Löwenherz” von Astrid Lindgren.

 

       2.       Bei diesem Film würde ich gerne Regie führen: Wenn es einen Film zu Libba Brays Trilogi über Gemma Doyle geben würde, dann wäre ich dafür gern Regisseur! Ich habe genaue Vorstellungen davon, wie fantastisch dieser Stoff als Film sein würde.

 

       3.       Ein Buch ist … Ein Portal zu neuen Welten.

 

       4.       Auf meinem Schreibtisch … herrscht normalerweise Chaos.

 

       5.       Universität und Studium sind … Spannend. Und manchmal langweilig (wenn man lieber schreiben würde).

 

        6.       Ich würde sofort  A Dance of Dragons lesen, wenn ich Zeit hätte.

 

       7.       Als ich klein war … war ich ein furchtbarer Besserwisser.

 

       8.       Eines Tages werde ich … meine eigene Bibliothek haben.

 

        9.       Ein  Haus ohne Familie ist traurig leer.

 

       10.   Autoren sind Menschen mit einem kleinen Götterkomplex. Wir erschaffen und lenken, stellen auf und bestimmen, wer leben und wer sterben soll. Wir sind Schöpfer und Zerstörer in unseren eigenen Universen.

 

 

Und zum allerletzten Schluss, darfst du selbst eine Frage stellen. Welche Frage soll mein nächster Interview-Partner beantworten? 

 

Wenn es ein/e Autor/in ist, soll er/sie sein/ihr Buch mithilfe von fünf verschiedenen Liedern zusammenfassen. Wenn es kein Autor ist, soll er einfach sagen, welche Lieder ihn im Alltag am meisten inspirieren. 

 

Mehr über Emma Andersson und ihre Bücher erfahrt ihr auf ihrer Website (Teile sind auch auf Englisch verfügbar) 

www.dardrommarblirtill.blogspot.se 

und auf ihrer Facebookseite 

 

Die Schwedische Version des Interviews findet ihr hier. 

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