Antizyklischer Spekulatius

Spekulatius ist doch was für Weihnachten!

Im Frühling schmeckt das doch überhaupt nicht. 

Tut es natürlich wohl - und ehrlich gesagt, schmeckt es im März sogar noch besser, wenn der Mund gerade nicht sowieso schon von Dominosteinen, Pfeffernüssen und Plätzchen verklebt ist.

 

Und weil das Backen von Spekulatius richtig Spaß macht, haben wir uns heute mit der Familie eine kleine Auszeit vom Arbeitsalltag gegönnt und mit Freunden im richtigen Backhaus antizyklischen Spekulatius gebacken. Nach richtig alter Tradition ...

Wer Spekulatius backen will, muss eigentlich schon einen Tag vor dem Backen mit der Arbeit anfangen, da der Teig über Nacht kühl stehen und richtig durchziehen soll. 

Gewürzt mit Zimt, Nelken, Zitronenschale und bitteren Mandeln nimmt der Teig eine wunderschöne hellbraune Farbe an und duftet auch ungebacken schon ganz wunderbar.

Heute früh ging es dann richtig los.

Ausgerüstet mit Schürzen und den alten Holzmodeln aus der Backstube meines Opas ging es ins Backhaus, wo schon seit 7 Uhr der Ofen angeheizt wurde.  


Bei unserer Ankunft hatte der Ofen also eine Temperatur von ca. 230°C, die auch gut auf das Backhaus ausgestrahlt haben. Es war also eine sehr kuschelige Arbeitstemperatur von 24°C im Raum :)

Während einer die verbliebene Glut aus dem Ofen holte, machte der Rest sich an die Vorbereitung der Arbeitsfläche. Ein bisschen Mehl auf dem Untergrund verteilen, so wie es beim Backen üblich ist, und - ganz wichtig! - auch die alten Modeln mit Mehl bestäuben.

Da der Teig über Nacht nicht nur kühl, sondern auch ziemlich fest wird, mussten wir anfangs ziemlich kräftig kneten, um ihn geschmeidig zu bekommen. Das ist ziemlich anstrengend, besonders wenn man sommerliche Temperaturen um sich herum hat.

Wenn der Teig aber weich genug ist, wird er über die geschnitzten Vertiefungen in den Modeln gedrückt.

Am Anfang bleibt dabei natürlich noch ein ganzer Berg Teig über, der wird dann mit einem Teiler entlang der Holzkante abgehoben.  


So bleiben dann nur noch die ausgeschnitzten Figuren mit Teig befüllt.

Und dann kommt der schönste Teil: man nimmt die Modeln und schlägt sie umgedreht kräftig auf den Tisch, sodass die einzelnen Spekulatius(se?) herausfallen.

Manchmal, wenn zu wenig Mehl in den Modeln war, klebt es fest und man muss sie ein zweites Mal herausschlagen, oder vorsichtig mit den Händen herausholen.

Die einzelnen Figuren werden dann auf Bleche gelegt und in den Ofen geschoben.

Wie lange gebacken werden muss, hängt dann von der Dicke des Teigs ab und wie weit hinten im Ofen das Blech liegt. Zur Not schaut man mal hin und wieder nach.

Sobald das erste Blech fertig ist, lässt sich die Wartezeit natürlich versüßen ;)

Und bei Teig auf der Grundlage von 2 Kilo Mehl, hat man überdies auch noch gut mit dem Ausschlagen von weiteren Figuren zu tun. 

Aber schließlich ist auch der letzte Teigkrümel zu Männchen, Tieren oder sonstigen Figürchen verarbeitet und in der Backstube liegt ein süßer Duft von Spekulatius und warmem Ofen. 

Wenn währenddessen draußen die Sonne scheint und die Vögel zwitschern, fühlt sich das alles auch gar nicht weihnachtlich komisch an, sondern macht einfach nur Spaß.

Immerhin kommt dann der gemütliche Teil -

der Verzehr von Haufenweise antizyklischem Spekulatius.

 

(Während im Ofen noch genug "Restwärme" ist, um  innerhalb von vier Stunden einen Braten für den Abend schön langsam garen zu lassen.)

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