"Willst du damit sagen, dass du mich nicht magst?"

Im Laufe der Zeit ändern sich die Bedürfnisse eines Menschen.

Das gilt nicht nur für die Bereiche, an die der geneigte Leser nun angesichts der Überschrift und des Worts Bedürfnis denken mag, sondern auch für ganz blöde und banale Dinge.

Ein Bedürfnis, das sich bei mir zurzeit ein wenig ändert, ist die Handynutzung.

Als ich vor 5 Jahren einen Vertrag für mein damals noch altes Gerät abgeschlossen habe, stand für mich günstiges Telefonieren ins Festnetz und ein paar SMS im Monat im Vordergrund. Das kostete mich im Monat 15 € 

Die zahle ich bis heute. Bislang war das für mich auch total okay.

Aber, wie gesagt, die Bedürfnisse ändern sich. Ab und an will oder muss ich halt doch mal in andere Mobilnetze telefonieren und dann wird es schnell sehr teuer. 

Dazu kommt, dass ich nun auch ein Smartphone besitze - und auch, wenn ich das Teil nicht als E-Reader, Shopping-Alternative, GPS und MP3-Player benutzen will, komme ich mit meinem alten Vertrag nicht mehr so richtig weit. 

Manch einer wird sagen: "Wo ist das Problem? Vertrag kündigen und einfach irgendwo ein günstiges Prepaid-Angebot holen."

Da ich aber zu dieser altmodischen Sorte Mensch gehöre, die nicht nur Gewohnheitstier ist, sondern auch noch gerne in einem Fachgeschäft einkauft und mit Menschen spricht, die wirklich Ahnung von der Sache haben, habe ich mich bislang dagegen gesträubt.

 

Die Ernüchterung kam allerdings schneller als gedacht. Ein Besuch im besagten Fachgeschäft führte zu der Erkenntnis:

Die Leute dort haben wirklich Ahnung - allerdings hauptsächlich davon, wie sie einen hinterrücks um den Finger wickeln und einem für viel Geld das verkaufen, was man nicht braucht. 

Zum Glück bin ich in der Hinsicht nicht so leicht zu manipulieren, und kehrte dem Laden den Rücken. 

Der Versuch, meinen Vertrag schriftlich zu kündigen gestaltete sich schon schwieriger. Nach langem Suchen im "Service-Portal" des Anbieters, fand ich endlich ein Online-Formular. Ausgefüllt, und mit der Bitte um schriftliche Bestätigung fristgemäß abgeschickt. 

Eine Woche später erhielt ich einen Anruf.

"Sie haben Ihren Vertrag bei uns gekündigt ...."

Und dann kam sie, diese Frage: "Darf ich den Grund erfahren, sind Sie unzufrieden mit uns?"

Jaein. 

Es war ganz schön schwierig diesem Menschen verständlich zu machen, dass sich meine Bedürfnisse in punkto Handy leider geändert haben und sich auch in den nächsten zwei Jahren nicht so festigen werden, dass ich mir einen Vertrag mit mindestens 2 Jahren Laufzeit ans Bein binden will.

"Oh, aber da kann ich Ihnen etwas anbieten. Ganz exklusiv, Flatrate in alle Netze, SMS und Internet 300MB für nur 15€..."

"Klingt schön! Können Sie mir das schriftlich schicken? Dann überlege ich es mir."

"Nein, das geht leider nicht..."

Damit war die Sache für mich erledigt.

Warum nur wollte mich das Gefühl nicht verlassen, dass an der Sache irgendein Haken war? Wer weiß, was sich mit der Katze sonst noch so im Sack befindet?

 

Und schon ist dieses Beispiel genauso wie eine Beziehungskrise:

Ich: "Tut mir Leid, aber meine Bedürfnisse haben sich geändert."

Er: "Was? Magst du mich nicht mehr?"

Ich: "Doch..."

Und ich sage NICHT diesen Satz "Das hat nichts mit dir zu tun", denn es hat mit ihm zu tun.

Er: "Aber ich könnte doch vielleicht in den nächsten zwei Jahren etwas anders machen

     und ich koch dir auch regelmäßig was Schönes."

Ich: "Hast du mir zugehört? Nimmst du mich eigentlich ernst?"

Er: "Ja, aber ... Du kannst doch nicht einfach alles hinter dir lassen."

Ich: "Doch."

Er: "Warum denn?"

Ich: "Weil ich glaube, dass du nicht ehrlich zu mir bist."

 

Lieber Mobilfunk-Anbieter: Gerne hätte ich unsere Beziehung weitergeführt. Aber unter diesen Umständen, glaube ich nicht, dass unser Verhältnis auf einer guten Basis steht.

Es tut mir Leid.

 

PS: Die Bestätigung meiner Kündigung habe ich übrigens erhalten. Per SMS.

Zählt das schon als "schriftlich"?

 

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Kommentare: 1
  • #1

    MadamePinson (Montag, 11 Mai 2015 13:10)

    Auch wenn du die Vorstellung vom "In-den-Laden-gehen" magst...
    Ich habe meinen Handyvertrag online abgeschlossen bei einem Anbieter, den es auch nur online gibt. Und ich kann ALLES online machen, also auch mit einem Button kündigen, den Tarif wechseln etc. Das finde ich sogar hervorragend, weil ich bei so einer nüchternen Sache eigentlich keine Beratung brauche und es noch dazu unabhängig von irgendwelchen Öffnungszeiten machen kann.

    Vielleicht so: für nüchternen Zahlenkram nimmst du das Internet. Und zum Tee-schnuppern-und-kaufen, Stoffe-anfassen und Bücher-stöbern gehst du wieder in Läden. So mach ich's! Dann hat man zum Bummeln auch mehr Zeit, weil man eben nicht noch in den Handyladen muss. :D