Midsommer - Mit Sommer is' nix

Gestern war Midsommer. Der längste Tag des Jahres.

Aber hier in Deutschland zeigte sich das nicht so richtig. Und auch heute scheint es eher so, als würde der November schon mal üben. 

Ich könnte mich damit trösten, dass ich ja mit Uni und Arbeit genug zu tun habe und ja sowieso lernen muss - da verpasse ich wenigstens wettermäßig nichts.

Allerdings zwickt schon seit Wochen wieder das Reisefieber in mir. Da ich aber aus oben genannten Gründen gerade für so etwas keine Zeit habe, bleibt mir nur das Fernweh und die Erinnerungen an den letzten Sommer ... Ein Auszug aus meinem Tagebuch:

22.06.2014

"Es hat fast die ganze Nacht über geregnet, nicht viel, aber so, dass man es die ganze Zeit aufs Zelt tropfen hörte.

Heute Morgen wurde es schlimmer. Also haben wir die frischen Brötchen von der Lom-bakkerie im Zelt gegessen.

Im Regen das Zelt abzubauen, war noch mal eine neue Übung für uns. Unsere Plane ist voller Gras und außerdem feucht. Deshalb haben wir sie in eine große Mülltüte gepackt, genauso wie die Außenplane. Jetzt liegen sie im Auto und müffeln ein wenig vor sich hin. 

(Klimaanlage, feuchtes Zelt und Gras und Plastiksack sind eine super Kombi :) )



Unser Plan war es eigentlich, zum Jotunheimen Nationalpark hochzufahren, um dort dieses Klimamuseum zu besuchen. 

Über Serpentinen ging es hoch in die Berge - auch hier hatte es geregnet. Aber hinter einer Kurve verwandelte sich der Regen zu Schnee. Die Schneegrenze war also passiert.

Es ist sehr nebelig, man weiß nicht, was einen an der nächsten Kurve erwartet. Die Gegend ist kahl und steinig, es sieht ein wenig aus wie in den Emyn Muil.

Nur eine einzige Straße führt hier hin, und am Ende liegt die Juvasshytta. 

Leider finden ausgerechnet heute keine Touren ins Klimamuseum statt, weil die elektrische Anlage im Berg defekt ist. 

Das ist sehr schade. Aber wir ziehen uns kurzentschlossen Wanderschuhe, Fleece, Thermoleggins an und laufen allein ein wenig durch die Gegend.

Es weht ein eisiger Wind, der einem schmerzenden Schneegriesel ins Gesicht pustet. 

Normalerweise ist hier auch ein Skigebiet, aber heute sind die Lifte geschlossen. Im Gebirgssee schwimmen Eisschollen ...

Zur Belohnung setzen wir uns mit Kuchen und heißer Schokolade in die Hütte - gleich geht es dann weiter zum Geirangerfjord. Hoffentlich ist es dort wärmer!




Der Weg führt uns an einem Naturschauspiel nach dem nächsten vorbei. Gebirgspässe mit Schnee zur rechten und linken der Straße, tausend Wasserfällen, Bächen ... es ist unbeschreiblich schön. Obwohl es die ganze Zeit über wolkenverhangen ist. Zwischendurch halten wir an, um am Straßenrand Fotos zu machen. 

Dann verschlägt es uns den Atem, als wir einen weiteren Pass erreichen, der uns mit 10% Gefälle ins Tal bringt. 

Weil es noch immer regnet und alles nass ist (der Campingplatz steht 3 Zentimeter unter Wasser), entschließen wir uns, am Campingplatz in Geiranger eine Hytta zu buchen, anstatt das nasse Zelt aufzubauen. (*Campingweicheier*)

Hier ist es schön und gemütlich, wir haben eine wunderbare Aussicht auf den Fjord, es ist trocken und vor allem: WARM!

Im Gebirge waren es teilweise nur 3°C ...

So viel zu Midsommer im vergangenen Jahr. Da war es also, zumindest da wo ich war, auch eher winterlich.

Von daher muss ich mich ja gar nicht sehr umgewöhnen. So versuche ich mir das Wetter und meine Uniarbeit schön zu reden. 

Vielleicht funktioniert es ja.

An meinem Reisefieber ändert das leider nichts.

Ich würde meinen Schreibtisch gerade liebend gern gegen den Jotun-heimen, Schneegestöber, ein nasses Zelt und einen wolkenverhangenen Geirangerfjord eintauschen - wenn ich nur da sein dürfte. 

Fleecepulli und Wollsocken bringe ich mit. 

"Feeeeeerien", seufze ich sehnsüchtig und starre aus dem Fenster meines Plattenbauzimmers.


Oh - sehe ich da einen Sonnenstrahl durch die Wolken brechen?

 - Die Hoffnung stirbt zuletzt!

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