Lovework in progress

Weil heute auch wieder ein Herzenstag ist, habe ich gedacht, ich präsentiere euch an dieser Stelle einmal exklusiv mein neues Liebesromanprojekt.

Nach Märchenprinzen gibt es nicht!? war ich so abgetaucht in die Welt der großen Gefühle und, zugegebenermaßen auch des Kitschs, dass die Ideen in mir nur so sprudelten und ich gleich darauf ein Konzept für einen neuen Liebesroman hatte. 

Nun gewähre ich euch Einblick in das erste Kapitel der Geschichte von Hanna, Onno und Paul. Eine Dreiecksbeziehung? 

Nun ja, nicht ganz. - Aber lest selbst!

 

          1.        Kapitel

 

To-Do-Liste:

               -          Wäsche waschen

              -          Blumen gießen

              -          Neue Schokolade kaufen

              -          Früh schlafen gehen

 

Lustlos rührte ich in meinem Milchkaffee, der vor mir auf dem Küchentisch stand. Es war viertel nach sechs in der Früh und noch stockfinster draußen. Bedingt durch die Uhrzeit saß ich allein in unserer WG-Küche, was mir aber auch ganz recht war. So konnte ich in aller Ruhe meiner Morgenroutine nachgehen.

Kaffeetrinken, dabei übers Smartphone schon einmal die Social Media nach Infos durch-forsten und die To-Do-Liste für den Tag erstellen.

Aber so ruhig wie sonst, war ich in meiner Routine nicht. Mein geliebter Milchkaffee machte mich nicht wie sonst wach, sondern lag mir ganz ungewohnt schwer im Magen. Und von den Tweets und Pinnwand-Posts, die ich las, behielt ich nicht einmal einen Bruchteil. Ganz zu schweigen von klaren Gedanken für meine To-Do-Liste. Die vier Punkte, die ich bis jetzt zustande gebracht hatte, hatten mich zehn Minuten gekostet.

Seufzend trank ich den letzten Schluck meines Milchkaffees, stellte die leere Tasse in die Spülmaschine und schlich ins Bad.

Ich erlaubte mir, während des Duschens und Zähneputzens auf jegliches Gedankensortieren zu verzichten und hing stattdessen meiner Müdigkeit nach.

Normalerweise fiel es mir nicht schwer, morgens früh aufzustehen. Im Gegensatz zu meinen Mitbewohnerinnen war ich der geborene Early-Bird.

Aber in den letzten zwei Nächten hatte ich kaum geschlafen, und das auch nur schlecht. Und eigentlich lag es auch nicht wirklich an der Uhrzeit, dass ich müde war. Ich hatte einfach das Bedürfnis, mich für einen unbestimmten Zeitraum im Bett zu verkriechen und die Welt um mich herum auszublenden.

Stattdessen saß ich eine Viertelstunde später auf dem Fahrrad und fuhr zur Arbeit.

Als ich das Rad um kurz vor sieben vor der roten Fassade des Radiosenders parkte, hatte ich zumindest die Gedanken, die meine Arbeit betrafen, organisiert.

Star-Update, Pop-News, Mittagskonferenz, Abhöre neuer Musiktitel standen mir bevor.

Ich redete mir ein, dass das genug Arbeit wäre, um alle anderen Gedanken auszublenden und betrat den Sender.

Meine Kollegin Karo saß in unserem gemeinsamen Büro bereits am Computer und klickte sich durchs Internet. Sie sah nur kurz auf, als ich hereinkam.

„Morgen“, murmelte sie.

„Morgen“, entgegnete ich tonlos.

Karo nahm davon keine Notiz. Sie brauchte für gewöhnlich zwei, drei Stunden, bis sie richtig wach war, sodass sie meine eigene Müdigkeit wohl erst einmal nicht bemerken würde.

Ich hängte meine Jacke über den Stuhl, schaltete meinen Computer ein, legte das Smartphone neben die Tastatur und ging in die Teeküche nebenan, um mir einen Kaffee zu machen.

Während die Maschine surrend den Kaffee in eine Tasse mit einem Werbeslogan des Radiosenders (StarRadio – Mit uns wird es ein guter Tag!) tröpfelte, trommelte ich ungeduldig mit den Fingern auf die Kante der Anrichte. Mein Blick blieb an dem Ring haften, den ich an der linken Hand trug. Schmal, silber, in der Mitte vertikal durchbrochen und mit einem kleinen Stein verziert.

Onno …

Klack!

Der Kaffee war durchgelaufen und das Geräusch der Kaffeemaschine, das das Beenden des Brühvorgangs verkündete, erinnerte mich daran, dass ich jetzt wirklich mit der Arbeit beginnen sollte.

Ich nahm die Tasse aus der Maschine.

„Also dann“, murmelte ich. „Mit uns wird es ein guter Tag!“

 

Eine Stunde später war ich von den Verheißungen unseres Werbeslogans nicht mehr ganz so überzeugt. Seit ich vor gut einem Jahr in der Musikredaktion von StarRadio als Volontärin angefangen hatte, war ich es gewohnt, die Musik, die den ganzen Tag lang lief, als Nebengeräusch auszublenden.

Doch als um kurz nach acht die Hitsingle von Pierrot ertönte, erschien es mir, als habe jemand plötzlich die Lautstärke voll aufgedreht und mir den Lautsprecher direkt ans Ohr gehalten.

„Ich bin einsam ohne dich, doch wenn du bei mir bist, vermiss ich dich“, drang es durch sämtliche Räume des Senders.

Und als hätte jemand einen Schalter in mir umgelegt, rasten alle Gedanken, Gefühle und Emotionen auf mich ein, die ich seit nunmehr zwei Tagen erfolgreich von mir ferngehalten hatte.

Die Realität traf mich wie der Rückschlag eines Maschinengewehrs und riss mich beinahe vom Stuhl.

Onno hatte unsere Verlobung gelöst.

Verbissen umklammerte ich mit Daumen und kleinem Finger den Ring, den ich seit unserer Verlobung trug. So fest, als ob er mir irgendeinen Halt hätte geben können.

Wie idiotisch!

Onno war gegangen.

Hatte er Schluss gemacht?

Meine Gedanken kreisten.

So hatte er das nicht gesagt. Aber was anderes sollte es sein, wenn er die Verlobung in Frage stellte? Und das war es doch, was er mir nach dem Konzert am Sonntagabend gesagt hatte.

Mit Pierrots Worten.

Ich habe Sehnsucht nach mir.

Wütend schlug ich mit der flachen Hand auf die Tischkante. Eine Aktion, die ich schon während ihrer Ausführung bitter bereute.

„Verdammt“, fluchte ich laut, als ein brennender Schmerz mich durchzuckte.

Karo schien mit einem Mal hellwach zu sein. Kerzengerade saß sie in ihrem Stuhl und schaute mich erschrocken an.

„Was ist los?“, wollte sie wissen.

Eine ganze Menge war los. Mein langjähriger Freund hatte mir gerade den Laufpass gegeben. Die Beziehung, an die ich sieben Jahre lang geglaubt hatte, war von einer Minute auf die andere beendet. Meine Lebensplanung war somit ebenfalls hinfällig.

Und noch dazu brannte meine rechte Hand höllisch und fühlte sich an, als würden Millionen Ameisen darin herumkrabbeln.

Vier Gründe genug, um am frühen Morgen so laut zu fluchen.

Allerdings kein Grund, den ich jetzt gerade Karo verraten, geschweige denn mit ihr diskutieren wollte.

Meine Kollegin hatte vor Begeisterung gequietscht und verzückt mit den Augen gerollt, als sie vor ein paar Wochen den Verlobungsring an meiner Hand entdeckt hatte, und ich ihr in (fast) allen Einzelheiten hatte berichten müssen, wie die Verlobung von statten gegangen war.

Nein, Karo konnte ich unmöglich davon erzählen, dass Onno das Ganze wieder rückgängig gemacht hatte. Denn Karo war nicht nur eine hoffnungslose Romantikerin, sondern auch noch Hobby-Kummerkasten-Tante.

Ihre meist gutgemeinten, aber nur selten praktisch durchführbaren Tipps und Ratschläge konnte ich gerade absolut nicht gebrauchen.

Da sie mich allerdings noch immer neugierig fragend ansah, griff ich spontan nach einer Notlüge.

„Justin Bieber ist nicht mehr mit Selena Gomez zusammen“, sagte ich.

Karos Augen wurden noch größer, was ich nicht für möglich gehalten hätte.

„Das ist doch keine Neuigkeit. Warum fluchst du darüber?“

„Ich hab mit Freunden gewettet, dass die beiden noch zusammen sind“, spann ich mein Lügenkonstrukt weiter.

Karo war ganz offensichtlich nicht überzeugt, schließlich gehörte es zu unserem Tages-geschäft darüber informiert zu sein, was bei den Stars und Sternchen so abging. Dennoch zuckte sie gleichgültig die Achseln.

„Naja, vor zwei Jahren hättest du eine 50:50 Chance gehabt zu gewinnen. Aber jetzt ist es definitiv vorbei. Um was habt ihr gewettet?“

Ich winkte ab. „Der Verlierer muss beim nächsten Clubbesuch eine Runde Cocktails schmeißen“, flunkerte ich weiter.

„Da bist du ja verhältnismäßig günstig weggekommen. Auch wenn die Wette absolut leichtsinnig und dämlich war.“

Karo grinste. „Aber vielleicht kannst du die Runde Justin Bieber ja in Rechnung stellen.“

Ich hob meine Mundwinkel nur wenige Millimeter nach oben. Nach Witzen war mir nun gerade gar nicht zumute.    

Still verfluchte ich mich, dass mir keine bessere Ausrede eingefallen war, und widmete mich, um das Thema zu beenden, schnell wieder den Pop-News, auf der Suche nach spannenden Infos, die für die Anmoderation von Songs benutzt werden konnten.

Das Kribbeln und der Schmerz in meiner Hand ließen langsam nach.

Aber die Gedanken, die das Lied von Pierrot in mir ans Laufen gebracht hatten, wollten nicht still stehen. Die Textzeilen gingen mir einfach nicht aus dem Kopf. Allerdings sah ich sie vor meinem geistigen Auge stets Onno singen.

Unkonzentriert durchblätterte ich die gängigen Webseiten und Internetforen und pickte wahllos irgendwelche Neuigkeiten heraus, inständig hoffend, dass unser Chef-Musikredakteur Anselm sich damit zufrieden geben würde.

Kaum hatte ich kurz an ihn gedacht, stand er plötzlich auch schon neben mir.

„Hanna, kannst du aus den Ausschnitten vom letzten Pierrot-Konzert einen Trailer basteln? Wir brauchen noch ein bisschen neues Material für unsere Doku-Aktion.“

Schon wieder Pierrot.

Es schien, als hätte sich die ganze Welt gegen mich verschworen, um mich mindestens einmal stündlich an das Desaster des Wochenendes zu erinnern. Trotzdem nickte ich wie ferngesteuert.

„Geht klar“, murmelte ich.

Bevor ich mich aber an die Arbeit machte, holte ich mir eine weitere Tasse Kaffee aus der Küche. Gerade als ich mich wieder an meinen Schreibtisch setzte, ertönte zwischen zwei Musiktiteln der Claim des Senders.

StarRadio – Mit uns wird es ein guter Tag!“

Scheißtag!

 

Die schlechte Stimmung, die mich während der Arbeit voll erwischt hatte, lastete auch noch auf mir, als ich am frühen Abend in der Küche unserer WG stand und mir eine Portion Milchreis kochte.

Den Stecker für das Radio hatte ich aus der Steckdose gezogen, um sicherzugehen, dass es nicht eine meiner Mitbewohnerinnen aus Gewohnheit einschaltete, wenn sie die Küche betrat, und ich unter Umständen ein weiteres Mal irgendein Lied von Pierrot hätte hören müssen.  

Doch leider hatte ich die Rechnung ohne Tamina gemacht. Während ich meinen Milchreis im Topf noch quellen ließ und schon einmal Rosinen und Zimtzucker hervorholte, kam meine Mitbewohnerin ebenfalls in die Küche und drückte reflexartig den Knopf des Radios.

Erst als sie einen Topf aus dem Schrank nahm und nach einem Päckchen Nudeln griff, schien sie zu bemerken, dass noch immer keine Musik ertönte.

Irritiert hielt sie in ihrer Bewegung inne und sah mich an.

„Sag mal, hab ich nicht gerade das Radio eingeschaltet?“

„Nee“, erwiderte ich grummelnd.

„Aber ich hab doch …“

„ … routinemäßig den Knopf gedrückt“, führte ich ihren Satz zu Ende, nicht darüber nachdenkend, dass das Tamina erst recht stutzig machen musste.

Sie ging auf das Radio zu und kam dem Rätsel gleich auf die Spur. Triumphierend hielt sie den losen Stecker in der Hand. Gleich darauf wurde ihr Blick kritisch.

„Welcher Trottel hat denn den Stecker gezogen?“

„Danke, der Trottel war ich“, antwortete ich pikiert. „Und es war durchaus gewollt, dass der Stecker nicht steckte“, fügte ich hinzu, als Tamina das Radio wieder einstöpselte und den Finger zur Einschalttaste führte.

Ich hob den Deckel von meinem Topf, musste aber feststellen, dass der Milchreis immer noch nicht fertig war. Genervt knallte ich den Deckel zurück auf den Topf.

In dem glänzenden Metall konnte ich mein Gesicht erkennen, das mich zwar etwas deformiert, aber eindeutig missmutig ansah.

Meine schlechte Laune war auch meiner Mitbewohnerin nicht entgangen. Doch Tamina war nicht der Typ Mensch, der sich von der schlechten Laune anderer anstecken ließ.

Sie kam auf mich zu, reckte ihren Kopf immer näher meinem Gesicht zu und spitzte die Lippen.

„Hey, du alter Schmollmops“, sagte sie und sah mich mit treuen, kugelrunden Augen an. „Weißt du, was du machen musst, wenn du frustriert bist?“

„Ich will nicht wissen, was ich tun muss“, erwiderte ich genervt und bemerkte zu spät, dass ich damit genau auf das Zitat eingegangen, schlimmer noch, es fortgeführt hatte.

„Einfach schwimmen, einfach schwimmen, einfach schwimmen, schwimmen“. Flötete Tamina unbeeindruckt und bewegte ihre Arme geschmeidig auf und ab. Damit machte sie Dori aus Findet Nemo zwar ernsthafte Konkurrenz, steigerte aber meine Laune nicht im Mindesten.

„Kannst du jetzt bitte einfach damit aufhören“, flehte ich. „Mir steht der Sinn gerade nicht nach Zitaten.“

„Dafür hast du aber gut pariert“, erwiderte Tamina leicht und schenkte mir einen Blick, der ungefähr so viel sagte wie: Dir ist offensichtlich nicht zu helfen.

Sie füllte ihren Topf mit Wasser und stellte ihn auf den Herd und summte dabei ein Lied vor sich hin. Ich versuchte nicht zuzuhören, doch die Töne bahnten sich unweigerlich ihren Weg in mein Ohr und mein Hirn und fanden dort den Text zur Melodie.

Kannst du sagen,

was ich glaube?

Will ich tragen,

was du denkst?

Kann man mit Bestimmtheit sagen,

was stetig unsre Schritte lenkt?

Ich seufzte auf. Es war tatsächlich ein weiteres Lied von Pierrot, das Tamina da gedankenverloren summte. Natürlich hatte Pierrot dieses Lied auch am Sonntag während des Konzerts gesungen. Ich hatte in Onnos Armen gelegen und war mir sicher gewesen, dass unsere Liebe unser beider Schritte lenkte.

Aber damit war es nun wohl vorbei.

„Kannst du nicht etwas anderes singen?“, bat ich und nahm den Milchreis von der Flamme. „Irgendwas, das nicht von Pierrot ist?“

Tamina sah verdutzt auf. „Nanu? Was ist denn mit dir kaputt? Eigentlich müsstest du doch mitsingen. Schließlich warst du am Sonntag auf seinem Konzert.“

„Ja, schon“, gab ich gedehnt zu. „Aber irgendwie habe ich es gerade ein bisschen über. Im Sender liefen seine Lieder heute auch ständig.“

Auch das war wieder dreist gelogen. Zweimal war Pierrots Hitsingle im Programm gelaufen. Aber für mich hatte das heute schon gereicht.

Tamina war es offensichtlich egal, was sie sang, jedenfalls fing sie an, irgendetwas unbestimmtes zu pfeifen, währenddessen sie die Spaghetti in das kochende Wasser schüttete und ich mich mit meinem Milchreis an den Küchentisch setzte und Rosinen und Zimtzucker darüber kippte. Stumm fing ich an zu essen.

Ruhiger wurde es deshalb trotzdem nicht. Denn in just diesem Augenblick drehte sich ein Schlüssel in der Wohnungstür und nur wenige Sekunden später stand Tameka, Taminas ältere Schwester in der Küche.

„Spaghetti!“, rief sie mit vor Freude strahlenden Augen und ihre langen dunklen Korken-zieherlocken flogen um ihren Kopf, als sie Tamina um den Hals fiel und ihr einen überschwänglichen Kuss auf die Wange drückte.

Normalerweise hätte Tameka auch mich ähnlich stürmisch begrüßt, aber meine abweisende Art (ich hielt den Kopf betont tief über meine Reisschüssel gesenkt und machte ein finsteres Gesicht), hielten sie heute gottlob davon ab.

Tameka war Taminas ältere Schwester. Die beiden trennten nur zehn Monate, was erklärte, weshalb sie sich so gut verstanden und sich so nah waren. Zwar waren sie charakterlich sehr verschieden, aber ihre offene Herzlichkeit und ihre meist sprühend gute Laune hatten sie gemein.

Ich mochte meine beiden Mitbewohnerinnen wirklich von Herzen gern, aber heute wäre es mir am liebsten gewesen, wenn sie beide nur halb so gut gelaunt gewesen wären.

Tameka kümmerte sich nicht um meine schlechte Laune, sondern schnippelte in Windeseile ein paar Zucchini klein, schmorte sie in einer Pfanne an und kippte Tomatensoße darüber.

Ich mümmelte noch immer an meinem Milchreis, als Tameka und Tamina sich zu mir an den Tisch setzten und ihre Spaghetti aßen. Irgendwie hatte mich, was die Portionsgröße anging, etwas verschätzt.

Oder vielmehr: Ich hatte gewohnheitsmäßig zwei Portionen gekocht. Eine für mich und eine für … Onno.

Auf einmal tat es unglaublich weh, allein schon seinen Namen zu denken und ich versuchte, mich ausschließlich aufs Kauen zu konzentrieren.

„Sag mal, was machst du eigentlich hier?“, fragte Tameka mich plötzlich.

Irritiert sah ich sie an.

„Wie, was mache ich hier?“, fragte ich zurück. Obwohl Tamekas Frage eindeutig berechtigt war. Was tat ich hier eigentlich? Ich saß hier rum, unkommunikativ, schlechtgelaunt und machte wohl den Eindruck als wartete ich auf den nahenden Weltuntergang.

„Ich wohne hier, wenn’s recht ist“, rang ich mich zu einer Antwort durch.

Tameka verstand meine Antwort offenbar als Witz. „Haha, sehr komisch. Aber mal im Ernst, triffst du dich nicht sonst mittwochs immer mit Onno?“

Autsch! Musste sie das erwähnen?

Bislang hatte ich mittwochsabends tatsächlich immer etwas mit Onno unternommen. Den einzigen Abend, den er wirklich immer frei und nicht mit irgendeinem Sportverein belegt hatte.

Es waren die Abende, die mich für die ersten drei Arbeitstage der Woche belohnten und mir für die übrigen zwei Tage bis zum ersehnten Wochenende den nötigen Auftrieb gaben.

Genau das war es, was mir jetzt fehlte: Auftrieb.

Sowohl psychisch als auch physisch.

Ich schaffte es kaum, meinen Kopf oben zu halten und Tameka anzusehen, als ich ihr antwortete.

„Onno kann heute nicht“, sagte ich knapp.

Tatsächlich fragte ich mich, ob er sich wohl wirklich etwas anderes vorgenommen hatte. Ob er sich wohl mit Max traf? Mit seinem besten Freund ging er zweimal die Woche zum Sport. Vielleicht nutzten sie Max‘ freien Abend nun für einen dritten Abend mit Badminton?

„Das heißt, wir sind heute alle drei zuhause und haben nichts vor?“, resümierte Tamina. „Das schreit ja förmlich nach einem gemeinsamen Filmabend!“

Tameka sah ihre Schwester zustimmend an. Ich schüttelte jedoch den Kopf.

„Tut mir leid“, murmelte ich eine halbherzige Entschuldigung, „ich muss heute unbedingt mal früher schlafen. Ich bin total k.o.“

Vermutlich wäre dies der beste Augenblick gewesen, um meinen Mitbewohnerinnen zu erzählen, was am Sonntagabend zwischen Onno und mir vorgefallen war. Doch ich wagte nicht, es auszusprechen.

Stattdessen würgte ich den letzten Löffel mit Milchreis herunter, stellte Teller und Löffel in die Spülmaschine und verschwand in meinem Zimmer.

Eine halbe Stunde später lag ich in meinem Bett und konnte nicht einschlafen.

Die Gedanken an Onno ließen mich nicht los.

Was genau hatte er gemeint, als er mir sagte, ihm würde in unserer Beziehung die Luft fehlen? Ich versuchte mich krampfhaft an seine Worte zu erinnern, konnte mir aber, als sie mir bruchstückhaft wieder einfielen, doch keinen gescheiten Reim drauf machen.

Onno und ich kannten uns seit sieben Jahren. Wie konnte er jetzt einfach feststellen, dass ihm etwas an mir nicht passte?

Gut, ich redete manchmal zu viel. Aber musste nicht jeder seine Macken haben?

Ich redete viel, dafür machte er dauernd Sport.

Aber deswegen löste ich doch keine Verlobung auf.

Langsam strich ich mit der Hand über die Betthälfte, wo er schon so oft neben mir gelegen hatte. Sie fühlte sich kalt an. Leer.

Ich wollte mich nicht mit dem Gefühl abfinden, dass es so bleiben sollte. Sieben Jahre Beziehung konnte man doch nicht einfach so wegwerfen, dachte ich verzweifelt.

Doch ob Onno das wohl auch so würde sehen können?

Es gab nur eine Möglichkeit, das herauszufinden.

Ich musste mit ihm reden.

 

Check-done-Liste:

 -          Wäsche waschen

-          Blumen gießen

-          Neue Schokolade kaufen

-          Früh schlafen gehen (verdammt! Früh ins Bett gehen zählt nicht L )

 

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