Back to the wool 

Hin und wieder komme ich auf verrückte Ideen. 

Eigentlich denke ich über etwas ganz anderes nach, und plötzlich unternimmt mein Denkapparat wahnwitzige Sprünge. 

Und so wurde aus der Suche nach einem spannenden Thema für unser Uni-Magazin ein ganz persönliches Projekt, mit dem ich jetzt meine Ferien verbringe (und mich ganz nebenbei erfolgreich vor der zu schreibenden Hausarbeit drücke.) 

Vor ein paar Wochen kam mir der Einfall, dass ich gern einmal spinnen lernen würde. 

Nicht, dass ich mich jemals zuvor mit der Verarbeitung von Wolle auseinandergesetzt hätte - aber plötzlich hatte ich halt diesen Gedanken. Und er ließ mich nicht mehr los. 

Ich habe also ein bisschen gegoogelt, fand heraus, dass man zum Spinnen eine Spindel benötigt (ein Gerät, das ich tatsächlich nur aus dem Dornröschen-Kontext kenne) - und dass, natürlich, Wolle eine sehr wichtige Grundlage für das Ganze ist :)

Es gibt zwar Starter-Sets, die eine einfache Handspindel und einen Kammzug Wolle enthalten, womit man einfach loslegen kann. Aber wenn schon, dann wollte ich es richtig von Anfang an angehen.

Zugegeben, die Schafschur habe ich ausgelassen - aber ich bekam von zwei netten Menschen aus der Nachbarstadt die Vliese von zwei Skudden geschenkt. Und zwar so, wie sie vom Schaf heruntergekommen waren: mit Heu, Gras, Käfern, Fett und Kot in den zum Teil verfilzten Locken. Es roch sehr nach Schafstall - würzig-flauschig :)

In diesem Zustand kann die Wolle nicht gut verarbeitet werden (das hatte ich bei meiner Recherche im Internet herausgefunden) - also ging es jetzt erst einmal daran, die Wolle zu waschen und von Fett und Dreck zu befreien.


Nach drei Waschgängen und einem Spülgang - alles per Hand - war das Vlies schon recht sauber und nicht mehr so fettig. Praktischerweise spielte das Wetter am Wochenende auch gut mit, sodass ich die Wolle draußen an der Sonne trocknen lassen konnte. 

Mein Vater, der auch im Garten zu tun hatte, meinte zwischendurch: "Hier riecht es wie auf dem Deich!" 

Ja, je nachdem wie der Wind stand, kam der Schafsgeruch  gut durch den Garten geweht. 

Aber was soll's: So schafft man sich Landurlaub in der Stadt ;)

Dank der Tutorials bei YouTube wusste ich, dass nach dem Waschen die Wolle noch immer nicht bereit ist zum Spinnen. Sie muss gekämmt oder kardiert werden.

(Irgendwo gebrauchte Handkarden aufzutreiben war in den letzten Wochen eine recht spannende Aufgabe - letztendlich kam mir auch da der Zufall wieder zur Hilfe.)

Die getrocknete Wolle wurde in einzelne Locken zerrupft, auf die Handkarden gelegt und ordentlich durchgekämmt (bzw. kardiert) - auch dabei ging noch einmal eine ganze Menge Dreck aus der Wolle heraus. Unglaublich, was ein Schaf alles so mit sich herumschleppt ...


Bei schönstem Sonnenschein habe ich also auf der Terrasse gesessen und Wolle kardiert. Nach dem dritten oder vierten Durchgang hatte ich den Dreh ganz gut heraus, wie man die Karden benutzt. Jetzt habe ich ungefähr 30 Kammzüge kardierter Wolle - und die kann ich dann demnächst verspinnen. 

Und im Gartenhäuschen liegen noch immer fast das komplette weiße Vlies und ein Großteil des dunklen Vlies ... ungewaschen, ungekämmt ... 

Bis zum fertigen Pullover wird es wohl noch ein Weilchen dauern. Meine Schwester war ja skeptisch, ob die Wolle überhaupt für einen Pullover reichen würde - ich glaube fast, wenn die Vliese gescheit verarbeitet sind, reicht es auch noch zu einem zweiten Pullover und mehreren Paar Socken.

Aber wie gesagt, das ist noch Zukunftsmusik. Erst einmal wird Garn gesponnen.


Solltet ihr nichts mehr von mir hören, habe ich mich an der Spindel gestochen und liege in einem 100-jährigen Schlaf.

Dann dürft ihr gerne einen Prinzen zum Wachküssen vorbeischicken ;)

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