Für's Leben gelernt

Mitunter stellt Student*in*x sich schon die Frage, ob und wann man das, was man sich für die Klausuren in den Kopf hämmert, jemals brauchen kann.

Wann lassen sich Medientheorien, postgenitale Politik und Literaturthesen nutzen? Kann man das essen, kann man damit tatsächlich Geld verdienen?

Allgemein bestätigt wurde das bislang noch nicht - weshalb man sich doch häufig auf das Bulimie-Lernen verlegt: Alles irgendwie in sich rein fressen und in der Klausur auskotzen.

Danach ist das angebliche Wissen meistens für allezeit weg.

Man will sich auch nicht unbedingt dran erinnern. So gut geschmeckt hat es dann doch nicht.

"Aber Sie wissen doch", kommt dann der vorwurfsvolle Kommentar vom Dozenten. "Sie lernen nicht für die Uni, sondern für's Leben."

Ach ja - das hatten wir kurzfristig  vergessen. 

Und heute war so ein Moment, wo ich etwas wirklich Wichtiges gelernt habe. Im Seminar zum Interkulturellen Handeln sollten wir Lehrbücher auf landeskundliche Themen untersuchen. Beim Blättern stieß meine Arbeitsgruppe auf die Erklärung dazu, woher der Begriff "beleidigte Leberwurst" kommt.

 

Früher glaubte man, Gefühle und Emotionen würden von der Leber gesteuert. Deshalb sagt man auch, jemandem sei eine Laus über die Leber gelaufen. Ungefähr so alt wie dieser Glaube muss auch die Geschichte sein, die davon erzählt, dass ein Koch mehrere Würste in einem Topf kochte. Die Würste hatten alle unterschiedliche Garzeiten. Nach und nach nahm der Koch die Würste aus dem Topf und legte sie auf einen Teller. Nur die Leberwurst musste besonders lang gekocht werden, um gar zu werden. Und weil sie so lang allein im Topf warten musste, war sie beleidigt.

 

Endlich wurde mir diese quälende Frage beantwortet. Ich gebe zu: ich fühle mich jetzt viel klüger als vor dem Seminar. 

Allerdings fürchte ich, dass diese Antwort nicht klausurrelevant sein wird. 

Aber das ist ja egal. Denn ich lerne ja für's Leben. Und das habe ich.

Diese Geschichte von der beleidigten Leberwurst werde ich nie wieder vergessen!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0