Die Stadt der schweigenden Bücher

Nie, nie, niemals hätte ich gedacht, dass so etwas passieren könnte. 

Und das MIR!

Aber es ist geschehen, und es macht mich unendlich traurig, lässt mich ratlos zurück, und nicht einmal Schokolade kann dieses Gefühl von Leere füllen - dabei hilft Schokolade sonst immer.

Heute bin ich zum ersten Mal enttäuscht aus der Buchhandlung gekommen...

 

Es war vor ein paar Tagen, als mir auffiel, dass ich seit ewigen Zeiten keine Buchhandlung mehr betreten hatte, zumindest nicht, um einfach mal einen gemütlichen Bücherbummel zu machen. Stöbern, entdecken, überraschen lassen, neugierig werden, und mit einer riesigen Wunschliste wieder herauskommen, wohl wissend, dass ich das eh nie alles in absehbarer Zeit werde lesen können.

Heute war es soweit. Ich hatte Zeit! (Und ich brauchte noch ein Geschenk, aber das nur nebenbei.)

Das Buchgeschenk hätte eigentlich feststehen können, mögliche Titel wusste ich ja, dachte aber: Vielleicht findet sich ja auch eine schöne, überraschende, neue Alternative. 

Und dann das.

Es gab NICHTS!

Natürlich waren die Regale nicht leer. Sie standen voller Bücher. Aber keines war dabei, das flüsterte, danach rief, in die Hand genommen zu werden, den Rücken gestreichelt zu bekommen, aufgeschlagen zu werden und noch auf dem Schmutztitel zu schreien: LIES MICH. JETZT. HIER!

 

Der Buchmarkt hat sich verändert. Ja, weiß ich. Hab ich nicht nur studiert, sondern auch lange genug beobachten können. Aber der Buchmarkt verändert sich, seit es ihn gibt. Dass es nun vermehrt Non-Books und so weiter gibt, kann doch nicht der Grund dafür sein, dass ICH in einer Buchhandlung keine tollen Bücher mehr finde?

Dabei würde ich von mir behaupten, vielseitig interessiert zu sein, immerhin schaue ich in jeder Abteilung mal vorbei, schaue mich um. Früher war ich alle zwei Wochen in der Buch-handlung und habe trotzdem jedes Mal etwas Neues gesehen (und auch damals gab es das klassische Frühjahrs- und Herbstprogramm der Verlage ...)

Und jetzt?

Leere. Gähnende leere auf den Tischen mit den Bestsellern - Krimis, die alle gleich aussehen, Titel, die gerade erst erschienen sind, und von denen ich trotzdem das Gefühl habe, sie schon längst zu kennen. Bücher, die genauso unaufgeregt herumliegen, wie sie von den Buchhändlern ausgepackt werden, als wären es Joghurts oder Salatgurken.

Bücher, so normal und ohne Ahnung, was sie hier sollen, wie die Kunden, die den Laden betreten und sagen "Ich brauche ein Buch."

Tausende stumme Bücher, gestapelt, in Reih und Glied, so als hätten sie selbst die Welten vergessen, von denen sie erzählen. 

 

Ich bin gekommen, um auf Entdeckungsreise zu gehen - erblickt habe ich nur das Alte, und selbst das war nicht mehr, wie es sein sollte. 

Verlassen habe ich die Buchhandlung mit zwei eigentlich ganz witzigen Postkarten.

POSTKARTEN!

Es ist zum Heulen.

 

Bevor ich nun in eine Sinnkrise verfalle, gibt es noch zwei Hoffnungsschimmer:

a) Hinsetzen, und endlich wieder Geschichten schreiben, die flüstern

b) Mit Lieblingsbuch ins Bett verkriechen und die böse Welt da draußen vergessen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Christiane Schlenzig (Dienstag, 16 Februar 2016 17:35)

    Ich lese die Geschichte, Deine Geschichte ... Ich sehe Dich zwischen den Büchern, die weder flüstern noch rufen. Ich sehe Dich, wie Bücher hinter Dir her schreien, und jammern, weil Du sie nicht mitnimmst ..., sie spüren ihre Farblosigkeit ...
    Du hast auch in mir Trauer ausgelöst ...

  • #2

    der Michi (Mittwoch, 17 Februar 2016 10:59)

    Like! :-)