1,2,3, ... Test, Test, Test

Die Autorin war im Tonstudio. 

Oha! Aber bevor ihr jetzt denkt, dass ich demnächst auch als Sängerin debütiere ... Nö! Es ist alles ganz anders.

Schon im September habe ich durch einen Aushang am schwarzen Brett der Uni Maria kennengelernt. Sie suchte für eine CD-Aufnahme jemanden, der Cello und Cajón spielen kann. Aus Neugierde habe ich mich einfach bei ihr gemeldet, und als wir uns im Oktober schließlich zum ersten Mal trafen, wussten wir, dass das gut klappt.

Ihre erste Frage war: "Brauchst du Noten? Ich habe nämlich nur den Text mit den Akkorden drüber."

Ich: "Ich hasse Noten - spiel du mal, ich denk mir etwas dazu aus!"

 

Mit diesem Konzept kamen wir super zurecht. Maria hat ein wunderschönes Lied geschrieben, das sie am Klavier begleitete, und zu dem ich mir eine dramatisch untermalende Cellostimme überlegte. Bei unseren Proben hatten wir viel Spaß, nur der Termin fürs Studio verzögerte sich irgendwie immer wieder. Eigentlich wollten wir schon im Oktober, aber da fing das Semester wieder an, im Dezember war ganz plötzlich Weihnachten ... ja, und so wurde es halt April. 

Am 1. April ging es für uns ins Studio. Marias Bruder war für ein anderes Lied mit Gitarre auch von der Partie. 

Obwohl wir ja noch Ferien hatten, ging es für uns morgens um 7 Uhr los nach Rostock. Natürlich haben wir uns kurz vorm Ziel noch einmal verfahren und sind drei Mal ums Studio herumgefahren, bevor wir die richtige Einfahrt gefunden haben ... :D Wie gesagt, es war sehr früh!

Nach einer kurzen Erkundung ging es auch direkt los. Schließlich wollten wir so ungefähr vier Lieder aufnehmen - reichlich naiv ... 

Maria fing mit ihrer Klavierstimme an, während ihr Bruder und ich neugierig dabei zusahen, wie verschiedene Versionen zu einer wurden, nachträglich Hall eingefügt oder rausgenommen wurde, und was sich sonst noch für technische Späße machen lassen.

Schließlich war ich an der Reihe mit meiner Cellostimme. Im Nachbarraum, nur mein Cello und ich - und ein Kopfhörer, über den ich die schon aufgenommenen Stimmen hörte. Also eigentlich gar nicht anders, als in den Proben auch. Aber eben auch nur eigentlich. 

Denn es ist schon ein großer Unterschied, ob man das Klavier live neben sich hört, oder über Kopfhörer auf die Ohren bekommt. Über Kopfhörer, die noch dazu irgendwie ein bisschen zu groß sind und mit denen ich ständig gegen die Wirbel des Cellos gestoßen bin.

Entsprechend klangen meine ersten Einspielungen ziemlich verhunzt und schief, da ich das Cello ganz anders halten musste, um nicht ständig mit den Kopfhörern in Kollision zu geraten. 

Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte ich es geschafft. Und zum Glück konnte unser Aufnahme-künstler ja komische Geräusche auch noch rausfiltern. Technik ist manchmal eben doch eine tolle Erfindung!


Das erste Lied mit allen Einspielungen war nach ungefähr 5 Stunden "im Kasten." Von der Vorstellung, dass wir an diesem Tag vier Lieder aufnehmen würden, hatten wir uns da schon verabschiedet. Aber wie gut es ist, sich für die einzelnen Lieder wirklich Zeit zu nehmen, zeigte sich beim zweiten Lied. Gitarre, Klavier, Gesang und Cajón waren eingespielt, aber uns fehlte noch irgendwie ein spannender Ausklang. Wir versuchten es mit einem Rassel-Ei. Das rasselte aber zu leise und zu dumpf und war eher unspannend. Vielleicht ein paar gefakte Becken einfügen? Auch nicht.

Zum Glück hatte Maria auch ihre Melodika dabei und probierte ein bisschen darauf herum. Begeistert ausgetauschte Blicke: "Das is' es!"

Nach 8 Stunden Studio hatten wir die Takes fürs zwei Lieder aufgenommen, waren super glücklich und super müde - tatsächlich hängt man nämlich im Studio ziemlich viel rum und wartet, dass man (endlich) dran ist. Und das macht nicht unbedingt wach. Zumindest, wenn man so früh aufgestanden ist ... 

Nun warten wir gespannt darauf, dass das Mastering komplett abgeschlossen ist. Die ersten Versionen haben wir schon bekommen und sind ganz hingerissen und schon ein bisschen stolz auf uns. Die Arbeit hat sich definitiv gelohnt. 

("1,2,3, ... Test, Test, Test" haben wir übrigens nicht zum Mikrotest verwendet. Wir haben stattdessen gesungen und geklimpert.) 

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