Ja, ich will das auch!

An einer Kirche in Oslo: "Am größten aber ist die Liebe!"
An einer Kirche in Oslo: "Am größten aber ist die Liebe!"

 

Es war nur einzelnes Wort in der Betreffzeile der Mail. Und doch wusste ich sofort, was mich erwarten würde, sobald ich die Mail öffnete.

"Post", lautete ganz einfach der Titel. 

Als ich die Mail las, bestätigte sich mein Verdacht: Eine weitere Freundin heiratet! 

Und ich sitze vor der geöffneten Mail und muss weinen.

Ich wünschte, ich könnte sagen, vor Rührung. Weil Hochzeiten ja immer so romantisch sind. 

Aber das ist nicht der Grund. Bei mir fließen die Tränen, weil sich mir mit jeder Einladung zu einer Hochzeit die Frage stellt:

"Und ich?"

Wo bleibe ich? 

Ich stehe da, in der Reihe der Gratulanten, und mache gute Miene zum tragischen Spiel. Denn ich bin, so scheint es, einziger Single unter Pärchen. Das bedeutet nicht, dass ich meinen Freunden ihr Glück missgönne. Ich freue mich über und mit jedem Freund und jeder Freundin, dass sie ihre große Liebe gefunden haben und zukünftig ihr Leben gemeinsam gestalten wollen. 

Aber mit jedem neu zusammengefundenen Pärchen und zunehmendem Alter fühle ich mich mehr und mehr abgehängt. Vor allem aber fühle ich, dass mir etwas fehlt. Nicht die vermeintliche "bessere Hälfte", sondern der Mensch an meiner Seite, der mir nicht sagt, dass ich alles bin, aber für den ohne mich alles nichts ist. Der Mensch, der mich so nimmt, wie ich bin. Der mich nicht immer auf Händen tragen muss, aber dessen Hand immer da ist, deren sanfter Druck mir sagt: "Wir beide schaffen das." 

Mir fehlt der Mensch, dem ich sagen darf: "Wo du hingehst, da geh ich auch hin."

 

Das klingt vielleicht verklärt, altbacken oder kitschig, ist es aber nicht. Und ich bin der festen Überzeugung, dass man auch als Single nicht per se unglücklich ist, sondern durchaus ein erfülltes Leben führen kann. Aber deshalb darf mein Ideal ja trotzdem ein anderes sein. 

Dass ich gut allein zurecht komme, habe ich in den letzten 12 Jahren bewiesen. Vielleicht zu gut. 

Ich war immer zu stark. Zu abgeklärt. 

Auf schnelle Abenteuer habe ich mich nie eingelassen. Ich wollte nie einen potentiellen Partner im Bett testen, bevor ich mich dazu entscheide ihn auch sonst gerne um mich haben zu wollen. Mir erschien die umgekehrte Reihenfolge immer richtiger und sinnvoller. 

Vielleicht eine altmodische Vorstellung. Vielleicht der Grund dafür, warum mich jemand in der Abi-Zeitung als "Unschuldslamm der Stufe" bezeichnete? 

Wie auch immer: Ich bereue diese Entscheidung keine einzige Minute. 

Aber ich sehe ein, dass sich Prinzipien wie dieses über die Jahre mehr und mehr gefestigt haben und so womöglich abschreckend wirken. Mit Macho-Methoden und plumper Anmache kommt man bei mir nicht weit. Auf dämliche Bagger-Sprüche schieße ich zurück.

Heißt das, dass ich nicht lieben kann? Oder sogar, dass ich nicht liebenswert bin? 

Das doch wohl (hoffentlich) nicht!

Es bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass ich einfach ernst genommen werden möchte. In meiner Person, als doch recht emanzipierte Frau.

Als Frau, die keinen Mann braucht, um im Leben zurechtzukommen, aber die dieses Leben gerne mit einem Mann teilen möchte, in einer gleichberechtigten Partnerschaft. 

 

Manchen Männern ist diese Auffassung zu stark. Es widerstrebt 

ihren Vorstellungen, vielleicht auch ihrem natürlichen (?) Instinkt, der Held und Beschützer zu sein. Und das geht leichter, wenn sie Frauen vor sich haben, die das tollpatschige Mäuschen sind oder die verführerisch mit den Augen klimpernd darauf warten, dass er ihr einen Drink spendiert. 

Bei Frauen wie mir wird das schwierig. Zu resolut, zu selbstbewusst, zu tough = zu wenig sexy?

Aber :

Jetzt habe ich es zugegeben. Und ich würde es auch jedem Mann gegenüber persönlich zugeben, wenn er nur fragen und ein ehrliches Interesse an mir bekunden würde. 

Wohlbemerkt an mir, nicht nur an meinen weiblichen Attributen!

Ich lasse jeden gern Supermann und Held sein, wenn das nicht bedeutet, dass ich mich für immer ent-kräften muss. Wenn mein Held so viel Größe hat, zuzugeben, wenn er selbst einmal Hilfe braucht. 

"Stärkste Zuwendung" heißt nicht, dass ich mehr Geschenke, mehr Liebesbekundungen, mehr Frühstück im Bett brauche als andere Frauen. Zuwendung in diesem Sinn kann heißen, einfach da zu sein, man selbst zu sein, zu zeigen, dass kein großes Heldentum nötig ist. 

Denn nur bei bedingungsloser Ehrlichkeit bin ich bereit, meine starke Fassade wegzunehmen, mein Nichtheldentum zu offenbaren. 

 

Meine beste Freundin sagt, ich sollte meine Ansprüche herunterschrauben. Allerdings sagt sich das leichter, als es tatsächlich ist. Schließlich geht es mir nicht darum, irgendjemanden zu finden, nur um auch endlich einen Freund zu haben, sondern jemanden, mit dem ich (im Idealfall) den Rest meines Lebens verbringen möchte. Eine Bilderbuch-Ehe, wie ich sie von meinen Eltern kenne, erleichtert es nicht unbedingt, dabei großzügig Abstriche machen zu wollen. So ideal wie Mama und Papa möchte ich es auch haben.

"Die perfekte Ehe gibt es nicht", wendet meine beste Freundin ein.

Vielleicht hat sie recht. Aber wie kann man das messen? Und geht es überhaupt darum?

Keine Ehe, keine Beziehung kommt ohne Streit und ohne Auseinandersetzung aus. Allerdings steht nirgendwo geschrieben, dass das so sein sollte.

Nicht umsonst heißt es im Eheversprechen "in guten wie in schlechten Tagen."

Es darf, ja es muss sie vielleicht sogar geben, die Tage, an denen man den anderen total bescheuert findet. Aber solange man jeden Morgen  wieder sagt und fühlt "Ich will dich lieben und ehren", trägt dieses Versprechen auch durch solche Zeiten. 

Ich wünsche allen meinen Freunden, die sich dieses Versprechen in nächster Zeit geben wollen, und auch jenen, die es sich schon gegeben haben, dass ihre Liebe sie durch gute und schlechte Zeiten tragen wird.

Ich wünsche ihnen, dass ihre Liebe wächst und nicht nur in der Zweisamkeit bleibt, sondern auch andere mit ihrem Glück ansteckt. 

Und ich wünsche mir, dass es eines Tages auch für mich den einen Menschen geben wird, der mir seine Liebe und Treue verspricht und zu dem ich sagen darf: "Ja, ich will!" 

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Kommentare: 2
  • #1

    Ewiger Single (Samstag, 03 Dezember 2016 20:09)

    Hallo,

    sehr schön geschriebener Beitrag, schau doch mal hier im Forum vorbei:

    https://abtreff.de/index.php

    Da gibt es viele denen es genau so geht wie dir

  • #2

    Yve (Sonntag, 04 Dezember 2016 13:03)

    Ein super gut geschriebener Beitrag! Du sprichst mir wirklich aus der Seele. Mir geht es genauso wie dir und ich kann deine Situation total gut verstehen. Es ist wirklich nicht leicht, als einziger Single in einem Freundeskreis zu sein, in dem mit der Zeit alle heiraten und sich bei einem selbst so gar nichts tut.
    Lass dich weiterhin nicht unterkriegen!
    Liebe Grüße :)