Können wir das schaffen? - DIY-Wahnsinn

Seit Wochen habe ich ein Regal, das ich in unserem WG-Flur anbringen möchte. Eine Freundin hat es mir nach ihrem Umzug geschenkt. Es ist wunderschön, selbstgemacht, aus Stoff und somit die ideale praktische Ausstattung für unseren endlos langen Flur. Aber da wir in einem historischen Gemäuer wohnen, ist der Schritt von. "Hurra, wir haben ein Regal" bis zu "Hurra, wir haben ein Regal, das an der Wand hängt" sehr groß. 

Zuerst einmal musste ich feststellen, dass das Stoffregal (ich ahne, dass ihr euch unter diesem Begriff nicht wirklich viel vorstellen könnt, aber mir fehlt gerade der passende Begriff. Es ist wie ein Vorhang mit ganz vielen Taschen darauf ...) für unsere Wand viel zu lang war. Unsere Deckenhöhe liegt nämlich gerade einmal bei 2,20 Meter an der höchsten Stelle. Also habe ich zuerst einmal die unterste Taschenreihe umgenäht. Abschneiden wollte ich es nicht, schließlich kann es ja gut sein, dass ich bald mal irgendwo wohne, wo die Decken höher sind. 

Da das Vorhangregal an Ösen aufgehängt wird, die alten Ösen aber zum Teil ausgefranst waren, musste ich auch an der oberen Stelle einmal neu umsäumen.

Das war der leichtere Teil. 

Danach lag das gute Stück erst einmal ein paar Wochen herum - erst heute hatte ich wieder Zeit und Geld, um Dübel zu besorgen, mit denen ich den Vorhang an die Wand bringen wollte. 

Ratlos stand ich vor der Dübel-Auswahl im Baumarkt. 

Hohlraumdübel - klar. Aber aus Plastik oder aus Metall? Wie viel Gewicht soll dran?

7 Kilo erschien mir zu wenig, die Dübel für 30 Kilo waren aber ewig lang. 

Rettung verhieß der Service-Schalter. Da standen zwei Mitarbeiter beim Mittagsplausch. Dabei wollten sie scheinbar auch nicht gestört werden. Eine rasche Antwort, die ziemlich nichtssagend war, inklusive dieses Blicks, der sagte: "Haha, eine Frau, die Dübel einkauft. Das kann ja nichts werden."

Weshalb sich auch keiner der beiden die Mühe machte, seinen Hintern zu bewegen und mir die verschiedenen Dübel zu erklären. 

Also ging ich allein zur Dübelauswahl zurück, suchte mir welche heraus, die passend schienen, und fragte an einem anderen Service-Schalter eine Mitarbeiterin. Von Frau zu Frau war das alles kein Problem mehr. Sie kam mit, erklärte, zeigte und konnte dabei sogar noch freundlich schauen. 

Check. Dübel hatte ich jetzt also.

Zuhause wartete die nächste Herausforderung auf mich. In den Vorhang mussten ja noch die neuen Ösen. Das war auch komplizierter als gedacht und obendrein mit viel hämmern verbunden. Zum Glück hat sich die WG unter uns nicht beschwert (vielleicht kommt das aber auch noch.) 

Abstände ausmessen, Markierungen an der Wand machen. Dann kann's ja losgehen.

Denkste.

Wie zur Hölle bekomme ich die passende Bohrspitze in den Akkuschrauber? Die Beschreibung hilft nicht weiter. Meine beste Freundin und ich sind ein wenig ratlos. Der beste Freund, der so etwas weiß, geht leider nicht ans Telefon. Durch zufälliges Drehen kommen wir dem Rätsel doch noch auf die Spur. Allerdings erweist sich die Rigipswand als widerstandsfähiger als gedacht. Um den Dübel richtig in die Wand zu bekommen, fehlen zwei Zentimeter. 

Verdammt!

Das Projekt Regal-anbringen ist also erst einmal wieder ad acta gelegt, bis wir einen anderen Bohrer haben.

 

Der beste Freund ruft kurz darauf zurück.

"Was gab's?"

"Ich brauchte deinen Rat als Fachmann, hat sich aber schon erledigt."

"Wieso?"

"Wir wussten nicht, wie man die Bohrspitze beim Akkuschrauber auswechselt."

Ich kann ihn durchs Telefon buchstäblich grinsen hören.

"Lach nicht, woher sollte ich das wissen? Und in der Beschreibung steht's ja auch nicht erklärt!"

"Das ist einfach so simpel, dass man (Mann) das nicht für notwendig hält zu erklären. Außerdem hätte ich dir so viel handwerkliches Geschick zugetraut."

Na immerhin! "Ich kann Laminat verlegen. Dazu brauche ich keinen Akkuschrauber", versuche ich mich rechtzufertigen.

"Jab, aber ich kann mich erinnern, dass dein Vater doch immer an irgendetwas herumgebastelt hat."

"Eben. Mein VATER! Der auf Fragen seiner Töchter, ob man was helfen könne, entweder gesagt hat "Nö, geht schon" oder "Gib mir mal eben die Wasserwaage." Außerdem haben wir es ja jetzt hingekriegt mit der Bohrspitze."

Mein bester Freund ist nett genug, um das nicht weiter zu kommentieren, stattdessen erklärt er mir, wie Rigipswände meistens aufgebaut sind. Normalerweise seien da auch Metallstreben mit drin, wenn wir da jetzt mit einem Schlagbohrer drangehen würden, könnte es sein, dass wir die Konstruktion kaputt machen. Und ich war schon stolz gewesen, dass ich doch etwas weiter links gebohrt hatte, weil rechts vielleicht doch die Leitungen vom Lichtschalter verlaufen könnten ...

 

Am Ende des Tages bleibt also dreierlei:

- Die traurige Tatsache, dass das blöde Stoffding immer noch nicht an der Wand hängt.

- Die bittere Erkenntnis, dass Männer es scheinbar in den Genen haben, zu wissen, wo man    

   welche Bohrmaschine benutzt, und offenbar keinerlei Erklärungsbedarf sehen

- Der trotzige Entschluss, dass ich dieses Teil an die Wand bringen werde. Irgendwie. Grrrr!

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