Ohne uns?

Wäre die EU eine Fantasy-Geschichte, würde der Brexit vermutlich so beschrieben:

"In den Tagen, da das Bündnis langsam zerbrach."

Oder, um es mit Galadriels Worten zu sagen: 

"Die Gemeinschaft zerfällt, es hat bereits begonnen."

Aber es ist nun einmal keine Fantasy-Saga. Das hier ist verdammt echt. Es gibt keinen Ring, den man in ein Feuer werfen kann, und schon wird die Welt wie-der so wie vorher. Wir können keine Tür in einem Schrank öffnen und uns in eine andere Welt verziehen, wo es mit ein bisschen Magie alles ganz wunderbar ist. Und auch noch so verzweifeltes Wutschen und Wedeln wird uns nicht weiterhelfen.

 

Um erahnen zu können, wie es dazu kommen konnte, dass die Bevölkerung Großbritanniens für einen Austritt aus der EU votiert hat, habe ich zu wenig Nachrichten gesehen, Zeitung gelesen und zu wenig Ahnung, wie genau die EU funktioniert. 

Aber trotz mancher Verzweiflung darüber, dass Gurken möglichst gerade sein müssen und Bananen eine Mindestlänge aufweisen müssen, habe ich doch nie an dem Konzept der Europäischen Union gezweifelt. Ihre Existenz habe ich nie in Frage gestellt.

Vielleicht, weil sie immer da war. Dass viele Länder dabei sein wollten, erschien mir logisch nachvollziehbar.  

Dass ein Land nach 40 Jahren nicht mehr dabei sein will, hätte ich nicht für möglich gehalten. 

In den Social Media tauchen nun Begriffe wie "Oustria", "Czechout", "Germaway" und "Polend" auf. Es wird gerätselt, welches Land wohl als erstes nachzieht und seinen Ausstieg aus der Gemeinschaft erklärt. Vieles, was sich auf dieser "AdiEU"-Ebene abspielt, ist vermutlich mehr Scherz als Ernst. 

Aber was, wenn die Stimmen doch lauter werden, die Zweifel sähen? 

Vielleicht ging es in den letzten Jahren zu sehr um Wirtschaft und Normen, zumindest nach außen hin? Dann könnte der Brexit womöglich die Chance für die EU sein, an ihrem Marketing zu arbeiten und zu demonstrieren, worauf sie gründet. 

 

"Die Einheit Europas war ein Traum weniger,

wurde eine Hoffnung für viele,

und ist heute eine Notwendigkeit für alle."

(Konrad Adenauer)

 

Ist der Traum etwa ausgeträumt, die Hoffnung aufgegeben und die Notwendigkeit nicht mehr gegeben? 

Die Bestürzung, die sich nun in vielen Gesichtern über das Referendum der Briten zeigt, spricht eine andere Sprache. "Das kann doch nicht wahr sein!"

Offenbar ist viel falsch gelaufen in den letzten Jahren, wenn sich jemand entscheidet, eine sichere Gemeinschaft zu verlassen. Da kann man beleidigt sein und schimpfen, dass man es ja heimlich immer schon gewusst habe, dass "die Inselaffen bescheuert sind", aber in einer Gruppe kann sich niemand ganz aus der Verantwortung ziehen. Vor der Wahrheit können wir uns nicht verstecken. Aber vielleicht können wir für einen kurzen Moment besonnen die Augen schließen und uns wieder an den alten Traum erinnern. Neue Hoffnung schöpfen.

Das klingt dann doch wieder irgendwie nach Fantasy, aber auch das richtige Leben kommt nicht ohne Träume aus. Und ohne Hoffnung schon gar nicht. 

Von da aus ist es gar nicht mehr so weit bis zu der notwendigen Erkenntnis, dass wir einander brauchen. Denn "ohne uns" funktioniert unser gemeinsames Europa nicht. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    August Duke (Mittwoch, 08 Februar 2017 22:02)


    I have been exploring for a little bit for any high-quality articles or weblog posts in this kind of area . Exploring in Yahoo I finally stumbled upon this site. Studying this information So i am happy to exhibit that I have an incredibly just right uncanny feeling I found out just what I needed. I so much surely will make certain to do not fail to remember this web site and give it a glance regularly.

  • #2

    Helena Ferrer (Donnerstag, 09 Februar 2017 03:05)


    Wow, superb blog layout! How long have you been blogging for? you made blogging look easy. The overall look of your site is wonderful, as well as the content!

  • #3

    Providencia Dahle (Freitag, 10 Februar 2017 05:01)


    I want to to thank you for this very good read!! I certainly loved every little bit of it. I have you bookmarked to look at new things you post�