Malermeister

Das Haus neben uns hat einen neuen Fassadenanstrich bekommen. Das alte Orange hat einem neuen Orange Platz gemacht. Jetzt leuchtet das Haus wunderschön in der Frühlingssonne, die sich nun doch endlich durch die Wolken traut.

Zweimal hat der Malermeister schon den Anstrich gemacht. Ein bisschen neidisch hab ich ihm durch mein Zimmerfenster zugeschaut.

Wie er dort saß, mit den Beinen über dem Gerüst baumelnd, eine Zigarette rauchend, und die Farbrolle an der Fassade auf und ab rollte.

Während ich vor einem Stapel Papier an meinem Schreibtisch saß und nicht wirklich wusste, wie ich die Blätter sinnvoll hin und her schieben sollte.

Der Malermeister hatte nach wenigen Stunden sein Werk vollendet und konnte vom Gerüst herabklettern.

Ich saß noch immer vor meinem Stapel Papier. 

Heute hat er das Haus zum zweiten Mal angestrichen. 

Mein Stapel Papier ist immer noch da. Aber er sieht anders aus. Immerhin. Und trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass, selbst wenn ich meine Arbeit demnächst fertiggestellt habe, das Werk nicht so schön aussehen wird, wie die nun leuchtende Fassade.

Ich fühle mich unproduktiv. 

Was natürlich Quatsch ist. Kultur und Wissenschaft ist auch Arbeit. Macht vor allem Arbeit. Nur das Ergebnis ist (leider) nicht immer so offensichtlich wie eine gestrichene Fassade.

Und im schlimmsten Fall ist Wissenschaft auch nur Fassade - ohne viel dahinter.

Um dem entgegenzuwirken, werde ich jetzt mal produktiv. 

 

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