Landlust

So schnell ich die Idee begraben habe, nach Bullerbü zu ziehen, ganz gestorben ist der Traum vom Landleben deshalb nicht.

Eine Freundin erzählt von wunderbaren Ferienerlebnissen in Schottland, zufriedenen Menschen, die kleine Bed&Breakfasts betreiben und gar nicht mehr vom Leben wollen. Das klingt unheimlich schön, und wenn ich ehrlich bin, kann ich mich damit sehr gut identifizieren. Der Gedanke bei irgendetwas mitmachen zu müssen, was immer höher, schneller und weiter will, eine Arbeit, die mich psychisch auch nach Feierabend nicht loslässt - macht mir irgendwie Angst.

Mein Träumchen: Ein Leben auf dem Land mit eigenem kleinen Hof, mit ein paar Schäfchen, die das Rasenmähen übernehmen, und Gemüse und Obst aus eigenem Anbau. 

Und neben dem gemütlichen kleinen Wohnhäuschen ein kleines Häuschen mit zwei, drei Gästezimmern. 

Das klingt unheimlich romantisch - aber ich bin mir durchaus im Klaren darüber, dass das mit unheimlich viel - und vor allem täglicher - Arbeit zu tun hat. Besonders wenn ich am liebsten etwas Altes hätte, was ich sanieren, renovieren und aufhübschen kann. 

Ja, haha, das sagt die, die nicht mal in der Lage ist, selbständig einen Fahrradreifen zu flicken. (Aber das muss ich ja auch nicht können, wenn ich Dielen abschleifen und alte, hässliche Fliesen rausschlagen will ...) 

Die, die vor einem Jahr nicht einmal ein einfaches Stoffregal an der Flurwand aufhängen konnte. Ihr erinnert euch? (Wie tauscht man nochmal die Bohrspitze beim Akkuschrauber aus?) Aber - der beste Freund, der mich damals noch ein bisschen ausgelacht hat, traut mir dieses Unterfangen "Alten Bauernhof hübsch machen" durchaus zu. Er sagt, das klingt unheimlich schön.

Finde ich nämlich auch.

Das Argument meines Vaters: "Da kommst du doch aus dem Malochen nicht mehr raus."

Ja, wohl wahr. Aber wenn man stundenlang über einer Zitatesammlung hängt, um letztlich eine halbe Seite an der Masterarbeit zu schreiben, ist so ein Haufen Schutt, den man wegbewegen muss, um etwas freizulegen, unheimlich verlockend. 

Ich möchte so gerne etwas Praktisches tun. Direkt bekomme ich Angebote von meinen Schwestern. Die eine wünscht sich einen Balkon an ihrer Mietwohnung, die andere lädt mich ein, die Fußleisten anzubringen oder eine Couch zu bauen. Außer Fußleisten anschrauben habe ich noch nichts dergleichen probiert. Aber es reizt mich, es auszuprobieren - und ich habe auf einmal einige Ideen.

Vielleicht bin ich naiv, zu glauben, ich könnte das Landleben mit einem Teil Selbstversorgung hinkriegen (wo ich doch nicht mal regelmäßig dran denke Blumen zu gießen, und die Chilis, die ich auf dem Fensterbrett ziehen wollte, sind nicht einmal aus dem Samen gekrochen...) Trotzdem möchte ich es gern ausprobieren. Wer sagt denn, dass das alles zum Scheitern verurteilt ist? Wie heißt es so schön, man wächst mit seinen Aufgaben. (Und Zitieren kann ich jetzt schon, es ist höchste Zeit, etwas Neues zu lernen.)

Das Einzige, was tatsächlich eine Herausforderung - nennen wir es nicht Problem - wäre, ist das Geld, was man zu einem Hofkauf und für eine Renovierung in die Hand nehmen muss, selbst wenn man vieles selbst machen will. 

Ich muss also doch erst eine "richtige" Arbeit machen, mit der ich Geld verdiene? 

DAS ist unromantisch! 

 

 

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