Es rauscht und rauscht ...

Deutschland versinkt im Regenwetter, so scheint es. Alle jammern, weil Keller voll laufen, U-Bahn Schächte geflutet sind - und weil doch, verdammt noch mal, Sommer ist. Sagt zumindest der Kalender und unser Unmut, der sich so gar nicht auf Gummistiefel und Kapuze einstellen will. 

Aber, wie heißt es bei den Wise Guys so schön: "Sommer ist, was in deinem Kopf passiert."

Und wer hat eigentlich bestimmt, dass Sommer gleichzusetzen ist mit 35 Grad? 

Zugegeben, als ich heute Morgen aufgewacht bin und vor dem Fenster nichts als graue Schlieren sah, dachte ich auch zuerst: "Buäh."

Aber beim Frühstück und dem darauf folgenden Abspülen, während dessen mich das kontinuierliche Rauschen des Regens begleitete, fand ich das alles auf einmal ganz hübsch. Ich habe mir also meine Gummistiefel und meine Regenjacke angezogen und bin nach draußen marschiert - einen Spaziergang durchs Feld. Dort, wo ich letzte Woche noch barfuß auf trockener Erde unterwegs war, war es jetzt schlammig und nass, nasser am nassesten - und trotzdem wunderschön!

Wusstet ihr zum Beispiel, dass die Vögel bei Regen trotzdem weiter singen? 

Das habe ich auch erst nach einigen Metern gemerkt, aber dann ergab ihr Gesang und das Rauschen eine herrliche Symphonie. 

Ich habe übrigens keinen Hund, den ich ausführen musste - ich bin ganz alleine, freiwillig in den Regen hinaus gegangen. Warum, wozu, was mach ich denn da?

Ich schaue dem Regen beim Regnen zu. Höre das Rauschen. Das klingt übrigens überall anders. Regen, der auf Schilfblatt fällt, klingt anders, als der auf meiner Jacke. Es ist ein vielstimmiges "Schschschschschsch" und "Plupp, plopp".

Auf dem Rückweg beobachte ich eine Schnecke, die über den Boden kriecht. Nacktschnecken sind nicht unbedingt meine Lieblingstiere, allzu viel mit ihnen auseinandergesetzt habe ich mich auch noch nicht. Aber jetzt schaue ich mir diese eine Schnecke an. Sie hat vier Fühler, die sie unterschiedlich weit ausstrecken und einziehen kann. Wenn sie mit einem gegen ein Hindernis stößt, zieht sie den Fühler ein Stückchen ein und tastet sich dann langsam vorwärts. Phänomenal!

 

"Jaja, wenn man so viel Zeit hat, sich im Regen eine Schnecke anzugucken ...", wollt ihr jetzt einwenden. 

Ich weiß nicht, ob ich die Zeit wirklich hatte - ich habe sie mir einfach genommen. Denn ob ich unproduktiv vor dem Computer sitze, nach draußen schaue und die ganze Zeit über das Gefühl habe, etwas zu verpassen, oder einfach alles nacheinander erlebe und jetzt motiviert und befreit bin - das ist ein riesiger Unterschied.

Als es letzte Woche so sehr gewittert hat, bin ich abends um halb elf auch noch einmal raus. Meine Mitbewohner haben seltsam geguckt.

"Es regnet."

"Das ist mir bewusst. Ich habe Gummistiefel."

Sie halten mich jetzt vielleicht für einen Freak. Das ist in Ordnung. Dann bin ich eben ein Freak. Aber dabei bin ich einigermaßen glücklich.

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