Kann man ja immer mal gebrauchen ...

"Ich hab bei mir mal aussortiert und ganz viele Kladden gefunden. Zum Wegschmeißen sind sie zu schade, aber du als Schriftstellerin kannst da doch bestimmt etwas von gebrauchen."

 

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe. In den meisten Fällen freue ich mich ja auch immer, wenn mir jemand etwas Gutes tun will und in der Regel sind Kladden, Notizbücher und Co wirklich eine Feine Sache. Allerdings musste ich bei mir zuhause jetzt auch mal aufräumen und dabei feststellen, dass ich in all den hübschen Büchern noch Platz für Ideen aus mindestens zwei Schriftstellerleben habe. 

Viele Bücher habe ich im Laufe der Jahre geschenkt bekommen. Manche auf mehr oder weniger ausdrücklichen Wunsch, andere aus dem Fundus anderer Menschen, die das mit dem Ausmisten irgendwie besser drauf haben als ich, und ein paar Kladden und Hefte habe ich tatsächlich selbst einmal gekauft. Einfach, weil sie so schön waren, mich inspiriert oder heimlich "Nimm mich mit" gerufen haben. In einem Großteil der Blöcke steht noch kein einziger Buchstabe, in denen, die beschrieben sind, ist noch reichlich Platz für mehr. Vermutlich muss ich einfach konsequent auf das Schreiben mit der Hand umsteigen. Aber vorher, habe ich gedacht, stelle ich euch eine Auswahl meiner Notizblöcke vor.

Oben rechts auf dem "Gruppenfoto" seht ihr, ein bisschen versteckt, ein schwarzes Heft mit bunten Salamandern drauf. Hier links ist seht ihr es aufgeklappt. 

Dieses Ringbuch habe ich 2004 gekauft, ich glaube, kurz bevor ich mit meiner Jahrgangsstufe auf Skifreizeit fuhr. Computer konnte ich ja nicht mitnehmen, Tablet gab's damals nicht. Aber ich musste ja irgendwo hin mit meinen kreativen Ergüssen zu meinem Fantasyprojekt. (An dem ich übrigens heute immer noch schreibe. Allerdings ist von den 110 Seiten von damals kaum etwas übergeblieben. Neu schreiben ist deutlich einfacher.) 

Auf besagter Skifahrt habe ich auch tatsächlich ein paar Seiten gefüllt, ein Jahr später im Sommerurlaub habe ich eine ganz neue Geschichte angefangen - die bis heute nur handschriftlich in diesem Heft existiert. UND: mein erster Songtext samt Akkorden wurde 2009 ebenfalls in diesem Heft festgehalten. 

Toller Effekt übrigens, und vermutlich mit ein Grund, warum ich damals ausgerechnet dieses HEft gekauft habe: Der "Buchdeckel" ist doppelt foliert, sodass ein Wackelbild-Effekt entsteht und die Salamander sich bewegen :D 

Ungefähr gleich alt sind die beinahe vollständig unbeschriebenen Hefte auf diesem Foto. Ich habe mich irgendwann einmal in das französische Liniensystem verliebt. Diese Hefte eigenen sich sowohl für Schreibarbeiten, können aber durch das Karomuster auch als Rechenheft benutzt werden. Das fand, und finde ich immer noch, ziemlich toll. (Auch wenn ich zugegebenermaßen nicht so wahnsinnig viel rechne. Aber ich kann auf Kästchen einfach besser schreiben als auf Linien.) Als es 2004 zum ersten Frankreich-Austausch ging, habe ich im Schreibwarenladen direkt einen ganzen Schwung Hefte in unterschiedlichen Größen mitgenommen. In einem habe ich damals meine erste Geschichte auf Englisch geschrieben (eine Weiterführung meiner Kurzgeschichte The Moonlight übrigens.)  In einem anderen verschriftliche ich unseren Familienstammbaum, und in zwei anderen Heften (nicht mehr auf dem Foto) habe ich damals meine Französisch-Hausaufgaben gemacht. Letztere wurden übrigens trotz französischen Liniensystems nicht besser. 

Dieses kleine Buch mit gewebtem Stoffeinband und handgeschöpftem Papier bekam ich, glaube ich, 2004 von Freunden zum Geburtstag geschenkt. 

Es ist im niedlichen DIN-A6 Format und einfach wunderschön anzusehen. Deshalb konnte ich mich auch lange nicht entschließen, was ich reinschreiben sollte. Es avancierte zu einer Art Tagebuch zu besonderen/wichtigen Ereignissen. Wahnsinnig viel steht auch in diesem Buch nicht drin. Nicht, weil es zu wenig Ereignisse gab, sondern weil Tagebuchschreiben einfach noch nie so richtig mein Ding war. Aber es ist insofern besonders, als dass ich in dieses Büchlein nur mit Füller und in Sütterlin geschrieben habe. 

So sieht das Buch also von Innen aus. Aufgeschrieben sind hier ein paar Fakten und Gedanken, die mir damals durch den Kopf gingen, als am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004 der Tsunami über Südostasien gerollt ist und große Landteile zerstört und Hunderttausende Menschenleben gefordert hat. 

Meine Hochachtung gilt noch immer denen, die damals im Katastrophengebiet geholfen haben.

Diese Kladde bekam ich zum 18. Geburtstag von Freunden geschenkt. Ich habe es hauptsächlich für Schreibübungen genutzt. (Allerdings auch nur knapp 10 Seiten). Das Gedicht auf dem rechten Foto schrieb ich während einer eher langweiligeren Religions-Stunde in der 12. Klasse. 


Und hier schließlich noch ein paar Besonderheiten, die sich zwischen all den Kladden gefunden haben. Das kleine Ringbuch in rot habe ich von meiner besten Freundin tatsächlich schon zum 14. Geburtstag bekommen (was ich gleich vorne auf der ersten Seite vermerkt habe, sonst wüsste ich das jetzt auch nicht mehr.) In diesem Buch habe ich tatsächlich viel geschrieben; kleine Episoden zu Geschichten, Ideen, Einkaufslisten, Notizen bei Infoabenden zu irgendwelchen Reisen, Adressen ... und es finden sich noch ein paar hübsche Manga-Zeichnungen einer Freundin darin. Jetzt ist tatsächlich nicht mehr viel Platz, aber für ein paar Einkaufslisten oder so wird es wohl noch reichen.

Das Buch darunter ist, wie man sieht, noch nicht einmal aus der Folie ausgepackt. Auch dies ist ein Geschenk. Von meinen Schwestern zum Geburtstag 2014. (Steht nicht drin oder drauf, habe ich mir aber trotzdem gemerkt.) Der Einband ist aus Kork.

Die Papiervase aus bunten Zetteln rechts daneben ist ein Geschenk aus Korea. Die Zettel sind wunderschön, einfarbiges oder auch gemustertes Papier. Mithilfe einer Büroklammer kann man das gebundene Heftchen in diese hübsche Form bringen und zusammenhalten. Das sind also Notizzettel, die hauptsächlich schön aussehen. Viel Platz ist darauf nicht. Es reicht für eine kurze Notiz à la: "Bin mal kurz in Korea."

Dies also war mein kurzer Einblick in meinen Notizbücher-, Kladden-, Ringbuchfundus. 

Wenn ich auch nur in wenige bislang etwas reingeschrieben habe, sind sie doch schöne Erinnerungsstücke an liebe Menschen und besondere Momente. 

Trotzdem, an alle da draußen, die es gut mit mir meinen: Es ist schön, wenn ihr ausmistet, aber leider ist auch mein Schreibtisch jetzt voll! (Und die alten Diddlblöcke, auf denen ich jetzt meine Briefe und Einkaufszettel schreibe, habe ich euch noch gar nicht gezeigt.) 

Sollte ich in diesem Leben doch einmal nicht mehr wissen, wo ich mir Notizen machen kann, sag ich Bescheid. Bis dahin bin ich auf der Suche nach Ideen, womit ich die Bücher und Kladden füllen kann.

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Kommentare: 1
  • #1

    Annette Weber (Freitag, 25 August 2017 15:58)

    Ich liebe Kladden auch über alles. Dabei schreibe ich auch immer weniger auf Papier. Um diese Kladde in Sütterlin beneide ich dich total.
    Liebe Grüße
    Annette