The brain you've called

Wie viele Gehirnwindungen gibt es? Laut Wikipedia beträgt die Länge sämtlicher Nervenbahnen im menschlichen Gehirn etwa 5,8 Millionen Kilometer. Sehr faszinierend. Also ganz schön viel Platz, um Gedanken auszubreiten. Aber auch nicht wirklich verwunderlich, dass mal etwas verloren geht. 

Es gibt Menschen, die sich nicht mal den Weg von der Haustür bis zur Mülltonne merken können – wenn man bedenkt, wie viele Millionen Kilometer ein Gedanke so zurücklegen kann, ist der Weg zur Mülltonne dann doch eher ein Kinderspiel.

Was passiert, wenn der Gedanke, die neue Idee, irgendwo im Hirn falsch abbiegt? Sich in einer der Windungen verirrt? Auf einmal vom Hinterkopf in den vorderen rechten Hirnlappen gelangt und den Rückweg nicht findet?

Gibt es eine Auskunft, die der Gedanke dann anrufen kann? Haben Gedanken ein Navigationssystem, mit dem sie die richtige Stelle finden, um aktiv zu werden?

Wenn das so ist, sind bei meinen Ideen die Navis gerade alle kaputt oder haben kein neues Software-Update bekommen.

Mir fehlt Inspiration. Ich schaffe es einfach nicht, etwas Gescheites zu schreiben.

Jetzt habe ich so ein tolles Buch, das mir Schreibaufträge gibt; denk mal so, schreib doch mal über, erzähl was von… Und ich denke; ja, klingt spannend.

Und dann hocke ich vor einem leeren Blatt Papier und kann einfach nicht schreiben.

The writer’s overkill. Leere.

Nein, da ist nicht nichts. Eher zu viel. Mal wieder kann ich mich nicht entscheiden.

Vielleicht ist gar nichts falsch mit meinen Gedanken. Die sind ganz normal verrückt. Aber mein Hirn hat irgendwo Perfektionismus-Schleusen in seine Windungen eingebaut. Immer, wenn die Gedanken strömen und sich auf schnellstem Weg zur Inspiration und Kreativität machen wollen, blockieren die Schleusen und schicken die Gedanken auf Umwege. Auf diesen Abwegen lauern gemeine Flüsterstimmen, die „Lalalaaaaangweilig“ und „Och nöööö“ oder „Mach das nicht“ säuseln. Immer lauter werden sie. Die Gedanken halten sich die Ohren zu und wollen wieder zurück. Aber die Stimmen werden immer lauter und hallen von den Wänden wider. Das Echo verwirrt. Die Gedanken gehen verloren. Irgendwo auf Kilometer 3.456.972 oder bei 5.934.281, so genau weiß ich das nicht. Wenn ich es wüsste, würde ich in meinem Gehirn ja Schilder aufstellen und den Gedanken den Rückweg zeigen.

Wie wäre es mit leuchtenden Linien wie im Flugzeug?

„Dieses Gehirn verfügt über vier Notausgänge, zwei im vorderen und zwei im hinteren Bereich der Kabine … Bei akutem Ideenmangel fallen automatisch Kreativmasken von der Decke … Ziehen sie die Maske über Mund und Nase und schreiben sie ganz normal weiter … Erst dann schalten sie YouTube ein und schauen Videos von Chinchillas an …“

Wäre das wohl möglich? Wenn schon nicht ständig, dann wenigstens vielleicht so ein, zwei, dreimal pro Woche?

Bitte, bitte, liebes Gehirn. Ich guck auch nur noch ein Chinchilla-Video!