Weiterbildung - Der Tragödie erster Teil

Immer wieder ernte ich erschrockene Blicke, wenn ich erzähle, dass ich in der Schule keinen Goethe durchgenommen habe.

"Waaas? Und das im Deutsch-Leistungskurs?!!?!"

Ja, kein Goethe, trotz Deutsch-LK. 

Offenbar war das Kultusministerium, das den Lehrplan für das Zentralabi in NRW 2009 gebastelt hat, der Meinung, dass man auch ohne Goethe ein Abi bekommen kann. Ist das nun etwa meine Schuld? 

Ich habe also weder "Die Leiden des jungen Werther" gelesen - dafür aber bereits in der zehnten Klasse und ganz freiwillig "Die neuen Leiden des jungen W.", noch "Iphigenie auf Tauris". Stattdessen las ich für mein Deutsch-Abi Schiller, Musil, Büchner und Fontane, der mir einen unfreiwillig langen Aufenthalt am Flughafen zusätzlich vermieste.

Nach meinem Abi las ich dann auch noch Thomas Manns "Buddenbrooks". Das hätte eigentlich meine Schwester für ihr Abi lesen sollen, sie hat sich mit dem Lektüreschlüssel begnügt. Ich fand das Familienepos gar nicht so schlecht. 

Aber außer der sehr niedlichen Umsetzung des Zauberlehrlings von Disney ist Goethes Werk mir nur als Zitat begegnet. Fand ich nicht schlimm. In meinem Skandinavistik-Studium war das auch nicht weiter von belang. 

Neulich packte es mich aber. Ein bisschen Weiterbildung kann ja nicht schaden und als Literaturwissenschaftler, wenn auch mit skandinavischem Schwerpunkt, sollte man nicht müde werden, seinen literarischen Horizont zu erweitern. 

In der Bibliothek entdeckte ich die "Klassiker"-Abteilung bei den Hörbüchern und in einem Anflug von Motivation und/oder Wahnsinn nahm ich gleich drei Hörbücher mit.

Franz Kafkas "Die Verwandlung", mit 121 Hörminuten ein recht guter Einstieg. Auch wenn mich die Geschichte nicht wirklich begeisterte, konnte ich mich doch nicht davon losreißen. Ich wollte doch wissen, wie das ganze ausgeht. Zurück bleibe ich mit einem skeptischen "Aha" und der dunklen Ahnung, dass ich vermutlich ein drittel der Sätze hätte analysieren und in irgendeinen Kontext hätte stellen müssen.

Und dann endlich Goethes "Faust 1". Für eine lange Zugfahrt ist ein 6-stündiges Hörbuch vielleicht gar nicht so schlecht. Sich ein Drama mit verschiedenen auftretenden Personen von einem einzigen Sprecher vorlesen zu lassen, war dann aber doch nicht so toll. Ich bin schon während der ersten CD eingeschlafen und konnte Faustus' Tiraden nicht wirklich etwas abgewinnen. 

Hier steh ich nun, ich armer Tor... 

Was mich aber wirklich begeistert, ist Fjodor Dostojewski mit "Schuld und Sühne." Zum Glück habe ich erst zuhause bemerkt, dass das Hörbuch über 24 Stunden geht. Ein Drittel habe ich schon geschafft und ich bin sehr gespannt auf das, was kommt. 

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