Sprache und Denken

Die Frage, ob es ein Denken ohne Sprache gibt, wurde damals im Deutschunterricht ausgiebig diskutiert. Wir fanden gute Argumente, die dafür sprachen und mindestens genauso viele Gegenargumente. 

Nicht erst seit der Gender-Diskussion dürfte allerdings klar sein, dass Sprache unser Denken prägt. Auch unser Verhalten hängt eng mit unserem Vokabular und Sprachduktus zusammen. Kann ich also, wenn ich meine Sprache ändere, meine persönliche Haltung ändern? 

In den letzten Wochen ging es mir nicht immer gut. Auch wenn ich an vielen Tagen einiges geschafft habe, blieb doch eine gewisse Unzufriedenheit zurück. Nun könnte ich das natürlich auch damit erklären, dass es zermürbend ist, zig Bewerbungen zu schreiben, selten eine Rückmeldung zu bekommen und immer noch nicht zu wissen, wie es weitergeht. 

Aber ich bin nicht länger bereit, mir davon die Laune verhageln zu lassen. Ich möchte trotzdem glücklich sein. 

Als ich gerade ein Video in meinem Lieblings-YouTube-Kanal sah, ging mir die Überlegung durch den Kopf, ob ich meiner Stimmung mit Sprache beikommen kann. 

"Natürlich", wird mancher nun sagen. 

Aber das zu wissen, ist etwas anderes, als es auch konsequent durchzuführen.

Der Moderator der YouTube-Videos ist ein sympathischer Neuseeländer, der seine Sätze häufig mit folgenden Formulierungen einleitet:

"This is reaaaally fantastic!"

"What a brilliant ..."

"I absolutely love ..."

"It's such an awesome ..."

Dadurch klingt er immer enthusiastisch, ausgeglichen und fröhlich. Sicherlich liegt die Vermutung nahe, dass die Sprache Teil der Strategie ist. Aber ich habe damals, als ich selbst in Neuseeland war, die Leute auch außerhalb von YouTube so sprechen hören. Diese Sätze kommen den Kiwis offenbar total natürlich über die Lippen.

Und so laufen sie durch YouTube-Videos und finden alles gut gelaunt großartig und awesome. Im Deutschen scheint diese natürliche Begeisterung einfach nicht so verankert zu sein.

Deutsche YouTuber sagen dann vielleicht mal: "Kraaaass", "Voll toll" oder "Ziemlich schickes Teil" - klingen dabei aber eben doch eher wie Marketing-Absolventen.

Wenn ich von etwas Schönem erzähle, sage ich: "Das war schön" oder auch mal "Das war richtig schön". Aber es klingt nie genauso enthusiastisch wie "This is reaaaally fantastic!"

Vielleicht kann Deutsch gar nicht so enthusiastisch gesprochen werden? Das wäre sehr schade. 

Ich werde es in den nächsten Tagen und Wochen einfach mal ausprobieren. Auch kleine Dinge hervorheben, verschiedene Adjektive testen, um auszudrücken, wie sehr mir etwas wirklich gefällt, oder wie fohl ich mich an diesem oder jenem Ort fühle. 

Ich bin sehr gespannt, was mich auf dieser Entdeckungstour erwarten wird und mit welchen Erkenntnissen ich konfrontiert werde.

Wer kommt mit?

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Kommentare: 1
  • #1

    Mama (Dienstag, 30 Oktober 2018 23:09)

    Ich! Ich werde momentan auch täglich mit neuen Erkenntnissen konfrontiert. Nämlich, dass man schreiben kann, wenn man muss, aber dass es dann tatsächlich Spass macht.