Standardverfahren

Gestern bekam ich mal wieder eine Absage auf eine Bewerbung.

Die Tatsache als solche hat mich nicht besonders gewundert. Wenn man viele Bewerbungen schreibt, muss man damit rechnen, auch mehrere Absagen zu bekommen. Stutzig machte mich die Mail von gestern jedoch deshalb, weil sie einen falschen Standardtext verwendete.

Der Arbeitgeber bedankte sich für das angenehme Bewerbungsgespräch, müsse mir nun aber leider mitteilen, dass man sich dennoch für einen Mitbewerber entschieden habe. 

Oftmals seien es ja nur kleine Details, die den Ausschlag gäben, heißt es in diesen Textbausteinen häufig. 

In meinem Fall war das kleine Detail wohl, dass dieses Bewerbungsgespräch überhaupt nicht stattgefunden hat. Ich hatte keine Einladung bekommen, konnte also von dem Gespräch gar nichts wissen. Umso schöner ist es natürlich, dass der Arbeitgeber es dennoch als angenehm empfunden hat. (Vielleicht bin ich ihm im Traum erschienen?)

Davon unabhängig finde ich diesen Satz mit den kleinen Details in der Verbindung mit "oft" aber problematisch. 

Schließlich heißt oft nicht immer. Wenn ich also eine Absage mit einer solchen Formulierung bekomme, kann ich nicht sicher sein, ob ich zu dem oft-Fall gehöre und es wirklich nur ein minimaler Unterschied war, der einen Mitbewerber besser qualifizierte, oder ob es doch ein größeres Defizit in meinem Profil gab/gibt. Denn in der Masse solcher Absagen bleibt dann doch der Eindruck, dass man für den Arbeitsmarkt wohl nicht geschaffen ist. Aufgrund von Datenschutzbestimmungen und um sich vor möglicher rechtlichen Konsequenzen zu schützen bekommt man auch selten genauere Auskünfte, warum die eigenen Qualifikationen nicht ausgereicht haben. "Bitte sehen Sie dies nicht als Abwertung Ihrer Qualifikationen" ist zwar ein hübscher Satz - aber aufgewertet wird das, was man kann, dadurch auch nicht, ebensowenig wie kontextualisiert. 

Ich habe dem Arbeitgeber auf seine Absage geantwortet und auf die falsche Verwendung der Textbausteine hingewiesen. Nicht weil ich ihn ärgern will oder besonders frustriert über die Absage als solche bin, sondern weil ich hoffe, dass er beim nächsten Mal besser aufpasst und anderen Bewerbern die richtigen Mails schickt.

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