Nur ein Kapitel ... - Bitteeee!

Immer, wenn es früher Zeit für's Bett war, kam meinen Schwestern und mir dieser Satz über die Lippen. 

Mit der vorangestellten Frage, ob Mama oder Papa zum Einschlafen noch etwas vorlesen. Meistens bekamen wir noch unsere Gute-Nacht-Geschichte. Zeitweise hatten wir sogar ein Buch mit 365 Minigeschichten - für jeden Abend des Jahres eine.

Manche Geschichten und Bilderbücher haben unsere Eltern so oft vorgelesen, dass sie wahrscheinlich gar nicht mehr gelesen, sondern auswendig rezitiert haben. Auch ich kann mich noch an viele Sätze aus heißgeliebten Geschichten erinnern.

Zum Beispiel:

  1. "Ich kann nicht einschlafen", hat Leo gerade zu seinen Eltern gesagt. "Zähl Schäfchen", haben sie gesagt und sind gegangen ...
  2.  Am Abend hat der kleine Bär seine Apfelhose ausgezogen und die Sternenhose angezogen...
  3.  Jeden Abend begibst du dich auf eine Reise. Ohne Koffer, ohne Ausweis, ohne Geld ...
  4.  Heute backt der Kaspar Kuchen, denn der Bär kommt ihn besuchen ...

Kennt jemand von euch diese Geschichtenanfänge?

Die meisten dieser Vorlesebücher halte ich bis heute in Ehren und kann sie auch fast vollständig rezitieren (inklusive der Bücher, die ich als Babysitter oder Aupair später selbst vorgelesen habe) - denn es hängen unheimlich viele Emotionen und Erinnerungen danach. Ich habe Gerüche meiner Kindheit in der Nase und höre die Stimmen meiner Eltern, wenn ich jetzt die Bücher aufschlage. 

Das prägt für das ganze Leben.

Auch ich liebe es, vorzulesen - und vorgelesen zu bekommen. Man wird ruhig, in der Familie oder in der Partnerschaft kuschelt man sich vielleicht nah aneinander, hat es gemütlich und ist aufmerksam füreinander. Man nimmt Texte auch anders wahr, wenn man sie vorgelesen bekommt, als wenn man sie selbst liest. Häufig bekommt man sogar mehr mit. 

Heute ist Bundesweiter Vorlesetag. Im ganzen Land wird heute an den unterschiedlichsten Orten vorgelesen. Bestimmt ist auch in eurer Nähe etwas dabei. Und wenn nicht - oder ihr zu den Terminen keine Zeit habt, trefft euch mit Freunden zu einem Vorlesestündchen. Oder lest über das Telefon vor. 

Ihr müsst dafür keine Leseprofis sein. Es geht nicht darum, so vorlesen zu können wie z.B. Rufus Beck. Auch gemeinsames Bilderbuchschauen und das Geschehen auf den Bildern kommentieren hilft Kindern in ihrer Entwicklung zu größerem Wortschatz, besseren Startbedingungen beim Lesenlernen und stärken auch das Selbstbewusstsein. Und auch für Erwachsene ist Vorlesen immer noch eine lohnenswerte Angelegenheit. Entweder, um mal wieder richtig Zeit mit den eigenen Kindern zu verbringen, oder um sich und ihrem Partner Aufmerksamkeit zu schenken und Bindungen zu stärken. 

Ich finde, jeder Tag sollte Vorlesetag sein! 

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