Jostein Gaarder: 2084 Noras Welt, Hanser-Verlag 2013, ISBN:978-3-446-24312-5, 14,90€
Jostein Gaarder: 2084 Noras Welt, Hanser-Verlag 2013, ISBN:978-3-446-24312-5, 14,90€

Jostein Gaarder - 2084 Noras Welt

 

Wie sieht es auf unserem Planeten in 70 Jahren aus? Wie werden die Menschen leben, wo werden sie leben - und vor allem: in welchem Klima?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich Jostein Gaarder in seinem neuen Roman. 

 

Nora ist 16 und macht sich Sorgen um unseren Planeten und wie die Menschen mit ihm umgehen. Sie fürchtet sich vor dem Klimawandel und fragt sich, in welchem Klima ihre Urenkelin einst leben mag. 

Besonders beschäftigt sie die Frage, was sie ihrer Urenkelin im Jahr 2084 antworten wird, wenn diese sie fragen würde, was sie getan hat, um die Zerstörung der Natur aufzuhalten. 

 

Es sind wahrlich keine Neuigkeiten, die Jostein Gaarder in seinem Roman präsentiert. Was passieren wird, wenn die CO2-Produktion nicht gestoppt wird, die Polkappen schmelzen, haben wir schon oft gehört - und erste Folgen des Klimawandels zeigen sich bereits durch regelmäßige Überflutungen und heftige Wirbelstürme in Südostasien oder in immer längeren Dürreperioden in Afrika. Auch von der Abholzung des Regenwaldes haben wir schon in der Schule einiges gelernt. - Aber das ist ja alles weit weg!

Jostein Gaarder holt die Folgen nach Europa.

In abwechselnden Kapiteln schildert er das Leben von Nora im Jahr 2012, die mit ihrem Freund Jonas überlegt, wie sie unseren Planeten retten kann, und das Leben von Nova 2084, die Artenvielfalt nur noch aus alten Dokumentationen kennt, und an deren Haus in Norwegen die Kamel-Karawanen der Klimaflüchtlinge vorbeiziehen. 

 

Die Welt von 2084, die Gaarder präsentiert, ist dystopisch, wirkt aber keinesfalls weit hergeholt. Die Szenarien, die geschildert werden, korrespondieren mit den gut recherchierten Artikeln, die Nora 2012 liest. 

Seinen Appell legt er seinen Protagonisten in den Mund. Er formuliert sich zum einen aus Noras Angst, und zum anderen aus Novas Vorwurf, einen zerstörten Planeten hinterlassen zu haben. 

Dabei sind es oftmals kleine Gedankengänge der Protagonisten, die beim Leser tief eindringen und hängen bleiben. 

An die Horrorszenarien haben wir uns längst gewöhnt. Deshalb sind gerade jene kleinen Sätze so eindringlich und richtungsweisend, die einen winzigen Schimmer Hoffnung beinhalten. 

Warum stellen wir wirtschaftliche Interessen über ökologische?

Wieso dürfen die Regenwaldbewohner nicht selbst entscheiden, was mit ihrem Regenwald passiert? 

Wann begreifen wir Menschen, dass nicht das Wort "mehr", sondern viel eher das "genug" entscheidend ist? 

Und wann beginnen wir endlich, uns für unseren Planeten einzusetzen? 

 

Nora und Jonas entwerfen einen wahnwitzigen Plan, wie die Rettung unseres Planeten gelingen könnte und nehmen sich das Versprechen ab, der Erde noch eine Chance zu geben.

Eine Chance, an der sich alle beteiligen müssen, damit es funktionieren kann. 

Denn der Mensch steht seinen Nachkommen nicht nur durch Reproduktion der eigenen Rasse in der Verantwortung, sondern auch darin, einen Lebensraum zu hinterlassen, in dem es sich gut und gern leben lässt.