A. J. Betts - Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe, Fischer Verlag, ISBN: 978-3-596-85661-9, 14,99€
A. J. Betts - Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe, Fischer Verlag, ISBN: 978-3-596-85661-9, 14,99€

A. J. Betts - Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe

 

Wie baut man eine Verbindung zu einem anderen Menschen auf, wenn man dazu verdammt ist, isoliert in einem Zimmer zu liegen?

Lohnt es sich, Beziehungen aufzubauen, wenn die Chance, diese Beziehung leben zu können, statistisch sehr klein ist?

Und wie soll es weitergehen, wenn man es tatsächlich wagt?

 

Zac und Mia verbindet eigentlich nichts außer das gemeinsame Schicksal an Krebs erkrankt zu sein. 

Zac liegt nach einer Knochenmarktransplantation im Isolierzimmer des Krankenhauses, Mia hat ihre Diagnose gerade erst erhalten und wartet auf die erste Chemo.

Die einzige Möglichkeit für die beiden miteinander zu kommunizieren, sind Klopfzeichen an der Wand, die ihre Zimmer voneinander trennt, und später nächtliche Chats bei Facebook. 

Und obowohl die beiden Teenager grundverschieden sind, entspannt sich eine tiefe Beziehung zwischen ihnen, die unter normalen Umständen nie denkbar gewesen wäre.

 

Bücher über Krebs gibt es genug. Und gerade nach John Greens Erfolg mit "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" mag man diesem Roman womöglich skeptisch gegenüber stehen und eine mehr oder weniger gelungene Kopie erwarten.

Dieser Vermutung kann in diesem Fall aber zum Glück widersprochen werden. 

Wer Parallelen finden will, wird sie finden - aber ansonsten ist Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe ein eigenständiger Roman mit individuellen Protagonisten und einer eigenen Botschaft. 

 

Der Roman ist in drei Teilen aufgebaut. Im ersten Teil "Zac" wird aus Zacs Perspektive erzählt, der Mittelteil "Und" ist abwechselnd aus Zacs und Mias Sicht geschrieben, und der abschließende Teil nimmt Mias Perspektive ein.

Durch diesen Perspektivwechsel wird die Autorin beiden Protagonisten gerecht und schafft es, ihre Vorstellungen, Wünsche und Ängste nah und glaubwürdig darzustellen. 

Zac hat sich während seiner Krankheit seinen sarkastischen Humor bewahrt und nimmt sich liebevoll und fürsorglich Mia an, die mit ihrem Schicksal hadert und nicht nur vor ihrer Krankheit wegzulaufen versucht.

Mia baut eine Mauer um sich herum auf und weist mit ihrer ruppigen Art jeden ab. So fällt es auch beim Lesen mitunter schwer, sich mit ihrem Charakter zu identifizieren. Ihre Entwicklung während des Handlungsverlaufs ist jedoch nachvollziehbar und spätestens im letzten Teil des Buches findet man immer mehr einen Zugang zu ihr. 

 

Obwohl die Krebserkrankung der Protagonisten den Grund für die Geschichte liefert und sich durch die gesamte Handlung zieht, ist Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe kein Krebsbuch. Vielmehr ist es ein Buch über das Erwachsenwerden, Schein und Sein, Identität und Lebenslust und -frust. 

Die Entwicklung von der tristen Krankenhausatmosphäre zu einem aufregenden Roadtrip ist absolut fesselnd und aufwühlend zugleich. 

Die Emotionalität geht nie verloren, absurde Szenen wechseln sich mit rührenden Momenten ab, die aber nie auf die Tränendrüse drücken, sondern vielmehr auf einer tieferen Ebene berühren. 

Das Ende kommt letztendlich zwar nicht wirklich überraschend, entschädigt aber dadurch, dass es noch genug Freiraum für eigene Phantasien lässt. 

 

Insgesamt ist Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe ein Roman, den man nicht mehr aus der Hand legen mag und der viel mehr erzählt als nur eine dramatische Krankenakte zweier Teenager. 

Eine echte Alternative zu John Green!