Lisa Lemke - Lisa auf dem Land

 

Spätsommersonne, süße Schafe, eigene Hühner und frisches Gemüse direkt vor der Haustür. Das alles auf dem friedlichen schwedischen Land. 

In diesem sehr an Bullerbü erinnernden Ambiente wohnt die bekannte schwedische Köchin Lisa Lemke. 

In ihrem neuen Kochbuch berichtet sie von ihrem neuen Landleben, das sie seit ein paar Jahren führt und verrät ihre Lieblingsrezepte  und Tipps zum Thema Selbstversorgung.

Schaut man sich nur die großformatigen und kompositorisch ansprechenden Bilder an, kann man leicht den Eindruck bekommen, um Selbstversorger zu sein, müsse man nur Schafe streicheln, Eier von plüschigen Hühnern sammeln und mit einem seligen Lächeln durchs Kornfeld laufen. Die Fotografien vermitteln ein teilweise kitschiges Idyll vom Landleben, mit dem Lisa Lemke aber in den begleitenden Texten durchaus aufräumt. Sie schildert deutlich, wie viel Arbeit es ist, einen Hühnerstall richtig und nachhaltig einzurichten und sie nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es ums Schlachten geht. Ihr Tenor: Wer Tiere essen will, sollte auch bereit sein, zu schlachten. Und Tiere, die ein gutes Leben hatten, kann man besseren Gewissens essen, als eines, das Zeit seines Lebens unter Stress stand.

 

Lisa Lemke hat ihr Buch in mehrere Kapitel unterteilt. Neben dem sehr ausführlichen Kapitel zu Hühnerhaltung und einem Kapitel zu Schafen und anderen Tieren, widmet sie auch dem Grillen, dem Küchengarten und Früchten und Beeren große Bereiche. Spannend sind überdies auch die Kapitel zu Bienenhaltung (wobei man hier nicht zu viel Imker-Wissen erwarten sollte), zum Meer, Party mit Nachbarn und vor allem das Kapitel zu der Wochenend-Pizzeria, die sie mit ihrem Mann auf ihrem Hof betreibt. 

Zwar steht im Titel des Buchs auch "Selbstversorger-Tipps", der Schwerpunkt liegt aber eindeutig auf den Rezepten. Doch auch hier finden sich viele praktische Tipps, z.B. wie man ein richtiges Omelett zubereitet. 

Jedes Kapitel teilt sich auf in einführende Texte zum Thema und einen großen anschließenden Rezepte-Teil. Die persönliche Note von Lisa wird aber in allen Teilen bewahrt. So gibt die Autorin am Rand oftmals Kommentare oder Gedanken zu einem Gericht oder einer Zutat ab. So lädt "Lisa auf dem Land" auch zur einfachen Lektüre ein und läuft nicht Gefahr, neben viele andere Kochbücher einfach nur ins Regal gestellt zu werden. Die Rezepte inspirieren, wecken die Lust, Neues auszuprobieren und reichen von leicht und schnell gemacht, bis hin zu aufwändigeren Gerichten, für die man viel Zeit einplanen sollte. 

Kritisch lässt sich anmerken, dass manche Rezepte besondere Zutaten erfordern (wie z.B. Granatapfelkerne), die in aller Regel wohl nicht auf einem Selbstversorger-Hof wachsen. Auch wenn es eigentlich klar ist, dass heutzutage wohl kaum jemand noch autark leben kann, wären hier ein paar Alternativ-Tipps schön gewesen, was sich aus einem Rezept machen lässt, wenn man wirklich nur Selbstangebautes (oder Geschlachtetes) verwenden will.

 

Insgesamt kann man sich nach dem Einblick in Lisas Landleben nicht so ganz der Wunschvorstellung erwehren, dass so ein bisschen Bullerbü-Idyll verbunden mit ehrlicher harter Arbeit doch ganz schön sein könnte. Schauen wir mal, wo ein freier Bauernhof rumsteht ...

 

Herzlichen Dank an die BusseCollection für das Rezensionsexemplar.