Stefanie Gregg: Mein schlimmster schönster Sommer, Aufbau Verlag, ISBN: 978-3-7466-3321-3 , 9,99€
Stefanie Gregg: Mein schlimmster schönster Sommer, Aufbau Verlag, ISBN: 978-3-7466-3321-3 , 9,99€

Stefanie Gregg - Mein schlimmster schönster Sommer

 

"Machen Sie Urlaub", empfiehlt der Arzt Isabel, kurz bevor er sie vor weiteren Untersuchungen aus dem Krankenhaus entlässt. Isabel, die ihr Leben lang immer nach festen Routinen und Plänen gearbeitet hat, nimmt ihn beim Wort und kauft noch auf dem Rückweg vom Krankenhaus einen alten VW-Bus. - Und fährt sofort los.

Eigentlich will sie nach Süden, Richtung Frankreich. Doch das Leben hat andere Pläne und beschert ihr viele unglaubliche Erlebnisse und einen unvergesslichen Trip über Dörfer, Städte und verwunschene Orte. 

 

Es gibt Bücher, in die verliebt man sich schon auf den ersten Blick. So auch hier: Die bunten Regenbogenfarben und nicht zuletzt die Skizzen von Pusteblume und dem unvergleichlichen VW-T1-Bus weisen vielver-

sprechend auf eine tolle Geschichte hin, die zum Träumen, Lachen und Weinen einlädt. 

Mein schlimmster, schönster Sommer ist genau das. Ein Roman über das, was wirklich zählt im Leben.

Da ist zuerst einmal natürlich Protagonistin Isabel. Sie ist (vermutlich) todkrank - so genau weiß sie das zu Beginn der Geschichte nicht. Aber Stefanie Greggs Roman ist auch kein weiteres dramatisches Krebsbuch. Zwar ist Isabels Erkrankung immer mal wieder Thema, und natürlich Aufhänger des Ganzen, und es wird nichts, was mit der Krankheit zu tun hat, beschönigt. Doch Isabels Tumor wird nicht mehr als notwendig in den Fokus genommen - und lässt somit zum Glück Raum für ganz viel Leben.

Denn Leben ist das, was an Isabel in den letzten Jahren eigentlich immer vorbeigegangen ist. Sie ist nur von einem Termin zum nächsten gehetzt, und auch die wenigen kurzen Urlaube waren eher repräsentativ. Wenn sie eins nicht war, dann spontan. 

Deshalb traut sie sich im ersten Augenblick selbst nicht ganz, als sie einen alten VW-Bus vom Fleck weg kauft, um sofort damit "ins Blaue" zu fahren. Ihren halben Plan, nach Frankreich zu fahren, gibt sie schnell auf, als sie zustimmt, den Besitzer des Busses, den beinahe klischeehaften Hippie Rosso, in seinen Heimatort zu begleiten, der sich dort um das Erbe seiner Mutter kümmern will.

 

Sobald sie im Bus sitzt, lässt Isabel die Dinge einfach auf sich zukommen. Bald hat sie auch keine andere Wahl mehr, denn auf so einem Roadtrip passieren nun einmal unvorhergesehene Dinge. So werden Isabel und Rosso in einen Banküberfall verwickelt, müssen ganz schnell ein halbes Kilo Gras verbrennen, lesen religiöse Jünger und sogar Jesus höchstpersönlich auf. Ein Leben voller Verrücktheiten, das Isabel in vollen Zügen genießt. 

An ihren Lebensgefährten denkt sie dabei nur selten. Ganz im Gegensatz zu eben diesem, Georg, der, so erfährt der Leser in kurzen Zwischen-kapiteln, sich mit jedem Tag, der ohne ein Lebenszeichen von Isabel verstreicht, mehr Sorgen macht und sich auf eine verzweifelte Suche nach ihr begibt. Genauso wie Piet, Rossos alter Schulfreund und Isabels Hals-über-Kopf-Liebe, der Isabel einfach nicht vergessen kann.

 

Stefanie Gregg zeichnet ihre Charaktere unheimlich liebenswürdig und authentisch - mitunter vielleicht nahe an Klischees, aber nie zu übertrieben, sondern genau richtig, um eine berührende und unterhalt- same Roadnovel zu kreieren. Rosso, mit seinen Dreadlocks und Batik-Shirts, der gerne von seiner Musik würde leben können; Isabel, die ihr Business-Kostüm gegen einen bunten Rock austauscht und viel mehr auf das Innere als aufs Äußere zu achten lernt; Georg, der merkt, dass eine Beziehung doch mehr ist, als nur miteinander zu wohnen - und Piet, der nicht ganz hoffnungslos romantisch ist. Und dann sind da natürlich noch die vielen schrägen, skurrilen Weggefährten, die ein paar Kilometer im VW-Bus mitfahren. Manche sind absolut zum Abgewöhnen und man ist mit Rosso und Isabel erleichtert, wenn sie wieder aussteigen, andere sind "doch gar nicht so schlimm".

Schade ist, dass man nach 290 Seiten selbst aussteigen muss. Doch zum Glück bleiben viele bunte Erinnerungen und die Lust auf den nächsten Roadtrip. - Vielleicht dann doch in die Provence? Oder lassen wir uns doch besser überraschen.

Dank Isabel, die auf der Fahrt immer wieder über Worte und Sprache nachdenkt, bleibt zwischen den Zeilen eine wunderschöne Message zurück: Man kann manches schönreden, aber wenn die Worte fehlen, dann kann man es schönleben - und das ist viel wichtiger!

 

 

 

Ich danke dem Aufbau-Verlag ganz herzlich für das Rezensionsexemplar.