Jana Henschel: Sugar Girls, Callway Verlag, ISBN: 978-3-7667-2211-9, 29.95€
Jana Henschel: Sugar Girls, Callway Verlag, ISBN: 978-3-7667-2211-9, 29.95€

Jana Henschel, Ulrike Schacht, Meike Werkmeister - Sugar girls

 

Wenn es mit der Schriftstellerei nicht klappt, eröffne ich halt ein Café. Hin und wieder habe ich diesen Gedanken tatsächlich gehabt. Aber ernsthaft verfolgt habe ich ihn nie. Damit reihe ich mich wohl ein in die große Gruppe vieler Menschen, die den heimlichen Traum haben, "eines Tages mal" ihr eigenes Café zu führen. 

Sugar Girls stellt 25 Frauen vor, die allein oder gemeinsam diese fixe Idee umgesetzt und ihren Traum wahr gemacht haben. In den im Buch vorgestellten 20 Cafés sind sie ihre eigenen Herrinnen und machen mit viel Liebe zum Detail und großer Leidenschaft nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Kunden sehr glücklich.

Schon bevor ich das Buch aufschlug, habe ich mich verliebt. Die drei Fotos auf dem Cover vermitteln bereits jene Detailverliebtheit, die die Café-Betreiberinnen auszeichnet. Es ist beinahe so, als stünde man auf der Schwelle zu einem der Cafés und bekäme sofort einen Kaffee angeboten. Dazu kommt die erhabene Tortenspitze auf dem Umschlag, die das Buch auch haptisch zu einem Erlebnis macht.

Sobald die erste Seite umgeschlagen ist, bin ich mit allen Sinnen  mittendrin in der Welt der Cafés.  Die Autorinnen Jana Henschel und Meike Werkmeister lassen die Frauen selbst zu Wort kommen und erzählen, warum sie sichere Jobs wie Stewardess, Lehrerin oder Beamtin aufgegeben haben, um sich mit einem Café selbständig zu machen. Die Berichte der Frauen werden umrahmt von den stimmungsvollen Fotos von Ulrike Schacht, die mit großem Geschick die Besonderheiten der einzelnen Cafés eingefangen hat. 

In der Kombination aus Berichten und Fotos glaubt man, tatsächlich im jeweiligen Café zu sitzen und sich mit den Betreiberinnen zu unterhalten und dabei einen der selbstgemachten Tartes oder Cupcakes zu genießen. 

 

Auf den vier großformatigen Doppelseiten, die die Autorinnen jedem Café gewidmet haben, gibt es viel zu entdecken. Neben Fotos von Einrichtung, Besitzerin und Warenangebot, präsentiert auch jede Café-Betreiberin einen ganz eigenen DIY-Tipp. Ob Regale, Deko oder sogar Tische - alles wird in einfachen Sätzen Schritt für Schritt erklärt. 

Während ich zwischen den Seiten hin und her blättre, bin ich hin und weg vom Charme des Cafés und der Begeisterung der Betreiberin. Und der abgebildete und auf meine Zunge imaginierte Kuchen schmeckt wunderbar. Es könnte kaum schöner sein.

Und dann schlage ich die nächste Seite auf, lande im nächsten Café - und bin völlig geflasht von einem ganz anderen Ambiente, anderen stolzen Bäckerinnen und Köchinnen, und neuen Geschichten. 

So geht es mir beim Erlesen und Erleben von Sugar Girls ständig. Jedes Mal, wenn ich glaube, im absolut schönsten Café der Welt zu sein, kommt ein neues daher und strotzt nur so vor begeisterndem Charme. Tatsächlich fällt es mir schwer, eines der Cafés als Favoriten herauszupicken. Ob eppenlove, Himmelhoch oder White Rabbit's Room - sie alle haben eben ihre ganz persönliche Note, die sie auf Anhieb sympathisch und authentisch machen. 

 

Bei allen schönen Fotos und begeisterten Berichten der Café-Betreiberinnen wird dennoch nichts übertrieben beschönigt. Anfangsschwierigkeiten werden genauso angesprochen wie anstrengende Behördengänge. Tenor aller vorgestellten Frauen ist aber: "Wer wirklich für die Sache brennt, hält auch solche Dinge aus." 

Für alle Leserinnen, die sich schon länger mit dem ernsthaften Gedanken tragen, selbst ein Café zu eröffnen, geben die Betreiberinnen viele nützliche Tipps zu Themen wie Finanzierung, Kalkulation, Behörden und Speisekarte. 

Und da die Fotografien der Kuchen und Salate während des Lesens das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen, werden im Anhang von Sugar Girls auch gleich die Lieblingsrezepte zum Nachbacken und -kochen präsentiert. 

Wem das nicht reicht, der muss sich ein Interrail-Ticket besorgen und von Neumünster über Saarlouis bis Rapperswil die einzelnen Cafés besuchen und sich vor Ort in den Bann ziehen lassen.

Ich wäre auf jeden Fall dabei - und sollte meine Berufswahl vielleicht doch noch einmal überdenken, wenn ich jetzt mehr Ideen für ein eigenes Café habe als für meinen nächsten Roman. Vielleicht wird's ja etwas mit dem Zuckerschlecken? ;)

 

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Callwey-Verlag für das Rezensionsexemplar.