Zukunftsfreitag

Es war eine Spontanentscheidung, dass ich mich heute der Greifswalder Fridaysforfuture-Demo anschloss. 

Trotz Wolken und zwischendurch einem kräftigen Regenschauer demonstrierten zeitweise bis zu 1000 Leute für ein Umdenken in der Klimapolitik und für Klimagerechtigkeit. 

Unter den Demonstranten waren dabei nicht nur Schüler, sondern auch Studenten und viele Erwachsene.

Die älteren Schüler kamen allein und in Gruppen - gerüchteweise hat sogar eine Schule in der Stadt mehr als 200 Schüler vom Unterricht freigestellt, damit sie an der Demo teilnehmen konnten. 

Auch viele Grundschüler waren gekommen, die von ihren Eltern begleitet wurden. Das hat mir besonders gut gefallen, da so auch die Jüngeren eine Chance hatten dabei zu sein und die Eltern zeigten, dass sie sich gemeinsam mit ihren Kindern für eine bessere Zukunft einsetzen. 

Zwar wird von vielen Seiten - prominent vertreten durch einige Spitzenpolitiker - gewettert, dass die Schüler ja nichts anderes tun würden, als Schule schwänzen, und dass die Lösung des Problems lieber Profis überlassen werden sollte. 

Die Reden, die einige Schüler während der Demo hielten, zeigten jedoch etwas ganz anderes. Ebenso viele Plakate. Die Schüler haben sich durchaus mit dem Klimawandel auseinandergesetzt und präsentierten fundiertes Wissen, mitunter verpackt in sehr gute Retorik. Vielleicht gab es auch bei der Greifswalder Klimademonstration Mitläufer, die tatsächlich nichts anderes wollten, als keinen Unterricht zu haben. Aber ich frage mich, ob es dann nicht besser ist, dass sie bei einer Demo für Klimaschutz mitlaufen, als bei einem rechten Aufmarsch.  

Die Resonanz der Bevölkerung, die uns Demonstrierenden auf dem Weg durch die Stadt begegnete, war jedenfalls zum größten Teil positiv. Autofahrer, die warten mussten, ließen die Fensterscheiben runter und zeigten fröhlich einen Daumen hoch oder klatschten Beifall.

Nur eine Negativ-Stimme habe ich bewusst mitbekommen. Während mit Kreide jeder, der wollte, Parolen für den Klimaschutz auf den Bahnhofsvorplatz schreiben oder malen durfte, kam eine Kundin aus dem nahegelegenen Supermarkt und beschimpfte die Schüler. Was sie hier täten, sei völliger Quatsch, sie sollten erst einmal bei sich selber anfangen. 

"Aber ihr habt ja alle Smartphones, fahrt kein Fahrrad …", behauptete sie.

Für Argumente, die die Schüler ihr gern entgegnet hätten, war sie nicht zugänglich.

"Schule schwänzen, das tut ihr", empörte sie sich noch.

Sagte es und schritt stolz mit ihren in Plastik verpackten, gezüchteten Schnittblumen davon. 

So laut alle zuvor auch skandierten "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!" - so still wurde es bei den abschließenden Schweigeminuten. 

Alle hielten zur Mahnung ihre mitgebrachten Plakate in die Höhe. Ein friedliches Bild. 

Ich bin froh, dass ich dabei sein konnte, und ich denke, alle Schüler, die aus Überzeugung demonstriert und sich Gedanken gemacht haben, konnten während dieser Demo mehr über Demokratieverständnis, Meinungsfreiheit und wissenschaftliche Zusammenhänge lernen, als in den paar Unterrichtsstunden, die sie wegen der Demo verpasst haben.

Einen Satz mag ich zum Abschluss noch zitieren, den ein Schüler in seiner Rede vorgebracht hat:

"Wenn euch jemand sagt; diese Demos haben doch gar keinen Sinn, das bringt doch alles nichts. Dann sagt ihnen; ein Anfang ist besser als gar kein Anfang!"

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