Zur Weihnachtszeit

Zur Weihnachtszeit wünsch ich mir Ehrlichkeit.

Unter all dem Geschenkpapier möchte ich aufrichtige Hingabe entdecken,

zwischen hastig gemurmeltem "Frohe Weihnachten" gut gemeinte Wünsche hören.

Doch am meisten wünschen wir alle uns "Friede den Menschen auf Erden."

Einmal im Jahr muss das doch möglich sein.

Deshalb lautet auch dieses Jahr wieder die Devise: "Reden ist Silber und Schweigen ist Gold."

 

Wir nehmen alles hin,

verschweigen, dass früher mehr Lametta war, übrigens in Gold,

und wir sagen nichts dazu, dass diese traditionelle Weihnachts-CD,

die wir seit 20 Jahren zur Bescherung hören,

eigentlich noch nie schön war und ziemlich nervt.

Kein Wort werden wir darüber verlieren, dass wir den neuesten technischen Schnickschnack doch gar nicht gebraucht hätten,

und "Wo soll ich das denn hinstellen?"

Das alles um des Weihnachtsfriedens Willen.

Dann ist doch alles schön, oder?

Zumindest haben wir uns das so gedacht.

 

Doch dann macht uns jemand einen Strich durch die Rechnung. 

Du bist nicht mehr da!

Und Reden wird Schweigen und Silber und Gold sind nur die Buchstaben auf den Schleifen, die dein Grab schmücken.

Ohne dich ist Weihnachten so anders, schwer auszuhalten. 

Ich wage es nicht, Aufmerksamkeit auszupacken.

Halte Gefühle lieber unter Glitzerpapier und Schleifenband verborgen,

während ich versuche, eine neue Definition für Weihnachtsfrieden zu finden.

 

Abseits von Glöckchen und Engelsgesang,

unter Auslassung von Tradition,

denn alles, was du sonst immer gemacht hast, zeigt, dass du fehlst,

und dass es nicht mehr so ist, wie in all den Jahren.

Die Tradition ist zum Herrn.

Was bleibt dann noch von Weihnachten?

 

Einer kommt, klopft an die Tür und stellt keine Fragen.

Er nimmt meine Hand und ist einfach da.

Und Schweigen ist Reden und Silber wird Gold,

wenn alles in mir sich löst und die Last der letzten Wochen von mir abfällt.

 

Weil du mit mir teilst, was ich glaubte, mit mir allein ausmachen zu müssen,

kann ich wieder staunen und begreife,

ob Silber, ob Gold, kann ich Weihnachten leben,

und Schweigen und Reden hängt so nah beisammen und erscheint oftmals gleich.

Und ich find meinen Frieden,

in mir beginnt Gottes Reich.